Generationengerechtes Führen im Krankenhaus (Teil II)

Karrieremotivation vs. Realismus – Die Unterschiede zwischen Generation Y und Z

Während Krankenhäuser sich nun langsam auf die Generation Y einstellen, ist Generation Z bereits im Anmarsch. Prof. Dr. Christian Scholz, Inhaber des Lehrstuhls für Betriebswirtschaftslehre an der Universität des Saarlandes, ist Experte für Personalmanagement und einer der ersten, die sich mit den Eigenschaften und Bedürfnissen der Generation Z wissenschaftlich auseinandergesetzt hat. Laut ihm unterscheiden sich die Generationen Y und Z trotz ihrer hohen Affinität zur digitalen Welt bedeutend.

Den größten Unterschied zwischen den beiden Generationen sieht er im Optimismus und der Motivation der Generation Y, Karriere zu machen. Die Generation Z dagegen zeichnet sich durch eine realistischere Grundhaltung aus und sieht die Risiken wie Stress und Burn-Out, die eine Karriere mit sich bringt. Sie sind weniger karrieremotiviert und lassen sich nicht von falschen Versprechungen von Unternehmensseite blenden. Prof. Scholz bezeichnet die Generation Z als emotional distanzierter, die Loyalität gegenüber dem Arbeitgeber ist gering. Sie arbeiten im Krankenhaus, aber nicht für das Krankenhaus. Wenn ihre Erwartungen nicht erfüllt werden, sind sie noch schneller bereit, den Arbeitgeber zu wechseln, als ihre Vorgänger. Zwar sind sie stark werteorientiert und die Patientenversorgung steht weiterhin im Mittelpunkt, das Privatleben darf darunter aber nicht mehr leiden. Aufgrund ihrer Freizeitorientierung wünscht sich die Generation Z im Gegensatz zu Generation Y wieder eine strikte Trennung von Arbeit und Privatleben.

Was erwartet Generation Z von Arbeitgeber und Führungskraft?

1        Harmonie und Wohlfühlatmosphäre

Für Generation Z ist es besonders wichtig, dass sie sich am Arbeitsplatz wohl fühlt und ein freundlicher Umgang mit Kollegen und Führungskräften herrscht. Sie wünschen sich eine tolerante und freundliche Führungskraft, die Lob ausspricht und ihre Mitarbeiter motiviert. Wie Generation Y möchten auch sie ernst genommen und in Entscheidungen mit einbezogen werden. Aufgrund ihres ausgeprägten Bedürfnisses nach Harmonie werden Konfrontationen gemieden und negatives Feedback sollte anders als bei ihren Vorgängern eher indirekt formuliert werden, um sie nicht persönlich anzugreifen. Kritik kann beispielsweise durch eine sehr detaillierte Beschreibung der nächsten Aufgaben und Arbeitsschritte vermittelt werden.

2        Mentoring und Struktur

Wie auch Generation Y wünscht sich Generation Z eine Führungskraft, die sich einerseits fachlich um sie als Arbeitskraft, aber andererseits auch um sie als Personen kümmert. Dies können Führungskräfte umsetzen, indem sie Interesse an privaten Angelegenheiten zeigen, über wichtige private Veränderungen informiert sind und entsprechend reagieren. Mehr noch als bei ihrer Vorgängergeneration bedarf Generation Z einer engmaschigen Führung. Die jungen Mitarbeiter sind aktiv und lernbereit, sofern klare Strukturen herrschen und ihr Ausbildungscurriculum stringent festgelegt ist. Daher eignet sich für die jüngste Generation ein transaktionaler Führungsstil mit kleinteiliger Definition von Zielen, der aber gleichzeitig genügend Freiraum zur Selbstentfaltung gibt. Dafür bieten sich regelmäßige, unauffällige Supervisionen der Tätigkeiten im Arbeitsalltag an.

Situative Führung – das Passende für jede Generation

Dass ein adäquates Führungsverhalten deutlichen Einfluss auf die Zufriedenheit der Mitarbeitenden und damit auch deren Leistungen hat, ist aus sämtlichen wissenschaftlichen Studien bekannt. Wie können Führungskräfte nun mit der Herausforderung umgehen, den Erwartungen der doch sehr unterschiedlichen Generationen gerecht zu werden?

Die Antwortet lautet: Situative Führung. Da es nicht den einen Führungsstil gibt, der allen Mitarbeitern gerecht wird, müssen Führungskräfte heutzutage lernen, ihr Führungsverhalten an einzelne Mitarbeiter und deren Bedürfnisse anzupassen. Nur so können Potenziale, Fähigkeiten und Ressourcen aller Mitarbeiter sinnvoll gefördert und genutzt werden. Doch dafür bedarf es ein Stück weit einem Kulturwandel in der Führungskultur im Krankenhaus. Mitarbeiterführung wird immer wichtiger und Führungskräfte sollten darin geschult werden, ihren Mitarbeitern mit einem adäquaten Führungsstil zu begegnen. Die Herausforderung für Führungskräfte liegt nun darin, den nach ihrer Einschätzung passenden Führungsstil für jeden Mitarbeiter zu wählen. Die im Folgenden dargestellten Führungsstile haben sich für die jeweiligen Generationen bewährt, wobei auch Mischformen gewählt werden können:

  • Kooperativer, partizipativer Führungsstil: Babyboomer sind teamfähig, hilfsbereit und ehrgeizig und erwarten klare Strukturen und Anweisungen. Sie wollen in Entscheidungen eingebunden werden und vermitteln ihr Wissen gerne an die jüngeren Generationen weiter. Von jüngeren Mitarbeitern geführt zu werden, empfinden sie mitunter jedoch als befremdlich oder gewöhnungsbedürftig. Vor allem für jüngere Führungskräfte ist es daher wichtig, der älteren Generation respektvoll gegenüberzutreten und ihnen die Möglichkeit zu geben, an Entscheidungen teilzuhaben. Das Gleiche gilt für die Angehörigen der Wirtschaftswundergeneration.
  • Entwicklungs- und leistungsorientierter Führungsstil: Den Mitarbeitern der Generation X ist es wichtig, dass ihre Berufserfahrung wertgeschätzt und ihre berufliche Stellung anerkannt werden. Sie möchten unabhängig und selbstbestimmt arbeiten, wünschen sich klar definierte Ziele und Freiräume, um ihre Aufgaben zu erfüllen. Sie erwarten weniger Partizipation als andere Generationen und bevorzugen es, eine professionelle Distanz zu ihrer Führungskraft zu wahren.
  • Transformationaler Führungsstil: Für die enthusiastischen Anfänger der Generation Y eignet sich besonders ein Führungsstil, bei dem die Führungskraft einerseits als Mentor und andererseits als Vorbild auftritt. Gemeinsame Ziele und Visionen sorgen für intrinsische Motivation und ihre fachliche sowie persönliche Entwicklung liegt ihnen am Herzen. Kontinuierliches Feedback hilft ihnen dabei, sich ständig weiterzuentwickeln.
  • Transaktionaler Führungsstil: Die neuen Mitarbeiter der Generation Z wünschen sich eine Führungskraft, die Ziele und Aufgaben klar und kleinteilig definiert und die dafür notwendigen Arbeitsschritte anleitet. Ein freundlicher Umgang sowie Verlässlichkeit und Verfügbarkeit der Führungskraft ist ihnen wichtig.

Abschließend ist anzumerken, dass man selbstverständlich niemanden allein anhand des Geburtsjahres gewissen Stereotypen zuordnen kann, sondern es sich hierbei lediglich um Denkmuster handelt, die sich als typisch für die Angehörigen der einzelnen Generationen herausgestellt haben.

Abbildung 2: Unterschiedliche Führungsstile im Krankenhaus

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