Generationengerechtes Führen im Krankenhaus (Teil I)

Vier Generationen, ein Haus und die gemeinsame Herausforderung, trotz womöglich knapper Ressourcen allen Anforderungen an eine qualitativ hochwertige Patientenversorgung gerecht zu werden. Dies spiegelt die Situation in deutschen Krankenhäusern wider, wo aktuell vier Generationen mit teilweise sehr unterschiedlichen Einstellungen im Arbeitsalltag aufeinandertreffen.

Welche Generationen arbeiten heutzutage im Krankenhaus?

  • Die Babyboomer-Generation: Sie wurden zwischen 1956-65 geboren, sind heute zwischen 54 und 63 Jahre alt und leben um zu arbeiten. Sie sind durchsetzungsstark, zeichnen sich durch Teamfähigkeit aus und legen Wert auf hohe Leistungen und Arbeitsplatzsicherheit.
  • Die Generation X: Sie wurden zwischen 1966 und 1980 geboren, sind heute zwischen 39 und 53 Jahre alt und arbeiten um zu leben. Sie sind pragmatisch, lernbereit und materielle Werte sind ihnen wichtig. Aufgrund ihrer starken Karriereorientierung beginnen sie häufig erst später mit der Familienplanung als ihre Vorgänger.
  • Die Generation Y, auch bezeichnet als Millenials: Sie wurden zwischen 1981 und 1994 geboren, sind heute zwischen 25 und 38 Jahre alt und leben beim Arbeiten. Sie sind technologieaffin, selbstbewusst und lehnen starre Hierarchien ab. Bei ihrer Suche nach Sinnhaftigkeit im eigenen Leben und Arbeiten (Generation Why?) akzeptieren sie verschwimmende Grenzen zwischen Arbeit und Privatleben.
  • Die Generation Z: Sie wurden zwischen 1995 und 2010 geboren, sind 24 Jahre und jünger und ihre Devise ist Leben vor Arbeit. Sie sind die ersten, die in der digitalen Welt aufgewachsen sind. Freizeit ist ihnen wichtiger als Arbeit, daher bevorzugen sie eine strikte Trennung dieser Bereiche. Dem Arbeitgeber stehen sie realistisch und emotional distanziert gegenüber.
  • Eine weitere Generation, die allerdings nur noch vereinzelt im Arbeitsleben anzutreffen ist, ist die sogenannte Wirtschaftswundergeneration, geboren zwischen 1945 und 1955. Sie sind über 64 Jahre alt und ähnlich wie die Babyboomer leben sie, um zu arbeiten. Hierarchien und Titel spielen für sie eine wichtige Rolle.

Während sich die Wirtschaftswunder- und Babyboomer-Gesellschaft innerhalb der nächsten zehn Jahre nach und nach in den Ruhestand verabschiedet und die Generation X überwiegend in Führungspositionen anzutreffen ist, ist bereits 2017 ein Drittel der Krankenhausärzte unter 35 Jahre alt und gehört damit der Generation Y an. Gleichzeit steigt der Anteil der Generation Z in den deutschen Krankenhäusern langsam an. Die Angehörigen der Generation Z befinden sich nun mitten im Medizinstudium oder sind bereits im Gesundheits- und Krankenpflegeberuf auf Station tätig.

Was erwartet Generation Y von Arbeitgeber und Führungskraft?

1        Strukturierte Ausbildung und Work-Life-Balance

„Eine neue Generation von Nichtskönnern, Waschlappen und Heulsusen, die arrogant ihre Ziele einfordern und keine Doppelnachtdienste mehr am Wochenende schaffen“ – so (überspitzt ausgedrückt) die Angehörigen der Generation X über die Generation Y. Sie selbst hatten sich in ihrer Facharztausbildung noch am Wochenende und Feierabend weitergebildet und waren bereit, viel für ihre Karriere zu opfern. Sie verstehen die hohen Erwartungen der jungen Ärzte nicht, die Freizeitausgleich für Überstunden und eine gut strukturierte Ausbildung mit schneller Verantwortungsübernahme fordern, ohne etwas dafür geleistet zu haben. Generation Y hat eine sehr unterstützende Erziehung genossen (den Pokal fürs Mitmachen) und ist daher selbstbewusst und wenig kritikfähig. Sie streben schnell nach Unabhängigkeit im Rahmen ihrer Arbeit und überschätzen dabei mitunter ihre eigenen Fähigkeiten. Wie keine andere Generation zeichnen sie sich durch eine hohe sowohl zeitliche als auch örtliche Flexibilität aus und erwarten im Gegenzug eine gewisse Flexibilität von Seiten des Arbeitgebers. Achtzig Prozent der Frauen und fünfzig Prozent der Männer möchten nach der Familiengründung in Teilzeit arbeiten, belegte eine Umfrage des Hartmannbundes (2012) unter Assistenzärzten. Eine Fluktuationsrate von 14-15% zeigt, dass die Generation Y schnell dazu bereit ist, den Arbeitsplatz zu wechseln, wird ihnen die gewünschte Flexibilität nicht gewährleistet.

2        Kompetenz und Transparenz

Für Generation X ist außerdem nicht nachvollziehbar, dass die Y-er sich nur wenig durch materielle Anreize motivieren lassen, die Karriere als Selbstzweck funktioniert heutzutage nicht mehr. Generation Y ist dann bereit, Leistungen zu erbringen, wenn ihnen der Job einerseits Spaß macht und sie andererseits Anerkennung dafür bekommen. Der sinkenden Motivation, in Forschung und Lehre mitzuwirken, begegnen manche Krankenhäuser inzwischen mit einem Dienstplan, der Forschungstätigkeiten beinhaltet, damit diese nicht als Überstunden geleistet werden müssen. Viele empfinden positiven Stress als zusätzliche Motivation. Weil fachliches Wissen jeder Zeit im Internet zugänglich ist, legt Generation Y besonders Wert auf die Vermittlung von praxisrelevantem Wissen. Als Führungskraft schätzen sie vor allem diejenigen, von denen sie etwas lernen können. Für sie stehen Kompetenzen statt Hierarchien im Vordergrund. Außerdem möchten sie alles mitbekommen, was für sie interessant sein könnte. Daher sollte absolute Transparenz herrschen, um Widerständen von Seiten der Generation Y entgegenzuwirken. Denn Entscheidungen von oben akzeptieren sie erst dann, wenn sie nachvollziehbar begründet werden.

3        Mentoring, Wertschätzung und konstruktives Feedback

Aktuellen Studien zufolge sind die Ansprüche von Mitarbeitern der Generation Y an Ausbildung und Führung größer als bei vorherigen Generationen. Nicht umsonst gibt es bereits Schulungen für Führungskräfte der Generation X, wie man bestmöglich mit der Nachfolgergeneration umgeht. Generation Y ist kontaktfreudig und aufgeschlossen, sie arbeiten und lernen gerne im Team und wünschen sich ein wertschätzendes Arbeitsklima mit engmaschiger, direkter Führung. Führung benötigt heute mehr Zeit als zuvor, da die Führungskraft für ihre Mitarbeiter ständig ansprechbar sein und sie in ihrer täglichen Arbeit unterstützten soll. Die Führungskraft muss nicht nur als Mentor fungieren, sondern auch die Arbeitsinhalte der jungen Mitarbeiter sinnvoll gestalten und kontinuierlich Feedback geben. Da die jungen Mitarbeiter es in einer von Social Media geprägten Welt gewohnt sind, überall direktes Feedback zu erhalten, sollten Führungskräfte sich bemühen, ihren Mitarbeitern zeitnah konstruktives Feedback zu erteilen und Leistungen anzuerkennen. Beim Thema Führung zeigt sich eine gewisse Widersprüchlichkeit: Einerseits möchte Generation Y frühzeitig Verantwortung übernehmen und lehnt starre Hierarchien ab, andererseits fordert sie aber eine gute fachliche Anleitung. Für Führungskräfte ist es daher wichtig, ihre jungen Mitarbeiter ernst zu nehmen, ihnen viel zu erklären und sie mit anspruchsvollen Aufgaben zu beauftragen. Regelmäßige Personalentwicklungsgespräche sind dabei unabdingbar.

Es bietet sich für die Generation Y daher ein transformationaler Führungsstil an, bei der die Führungskraft als Vorbild auftritt und ihre Mitarbeiter intrinsisch motiviert, auf ein gemeinsames Ziel hinzuarbeiten. Dabei wird Wert auf die persönliche Entwicklung und Weiterbildung der einzelnen Mitarbeiter gelegt.

Abbildung 1: Vier Generationen im Krankenhaus und typische Denkmuster

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