Optimierung von onkologischen Stationen

In unseren Projekten zur Reorganisation von Stationen werden wir überdurchschnittlich häufig damit beauftragt, onkologische Kliniken zu beraten. Aus meiner Sicht gibt es hierfür zwei Gründe: Zum einen ist die onkologische Behandlung sehr kostenintensiv, so dass Ineffizienzen in der Stationsorganisation unter Umständen betriebswirtschaftlich besonders schmerzhaft sind. Zum anderen ist die Versorgung onkologischer Patienten aufgrund einer Vielzahl möglicher Komplikationen schwer planbar – damit ist die Herausforderung zur Realisierung einer funktionierenden Stationsorganisation enorm hoch.

Aufgrund der Komplexität des einzelnen Patienten, finden auf onkologischen Stationen in der Regel zwei, nicht selten sogar drei Visiten täglich statt. Die Ärzte verbringen 2-3 Stunden ihrer Tages-Arbeitszeit damit, aktuelle Befunde zu sichten (Kurvenvisite) und den Patienten in Augenschein zu nehmen (Visite am Bett). Da von den Erkenntnissen der Visite alle weiteren Behandlungsschritte abhängen, kommt diesem Prozess enorme Bedeutung zu. Das heißt vor allem, die Visite – bei der erstmals die aktuellen Laborbefunde verfügbar sind – muss möglichst früh am Tag beendet sein (11.00 Uhr). Um dies zu erreichen, ist es wichtig, die Blutabnahmen zu Beginn eines Tages noch vor 08.00 Uhr lückenlos abzuschließen und in das Labor zu senden. Eine Tätigkeit, die im Idealfall durch eine Arzthelferin – ggf. unterstützt durch PJLer – erledigt werden sollte.

Die Komplexität ihrer Patienten führt aber auch dazu, dass onkologische Stationen personell meist gut ausgestattet sind. So sind zur Tagesschicht oft zwei Assistenzärzte und drei examinierte Pflegekräfte zzgl. Stationsleitung sowie weiteres Unterstützungspersonal verfügbar. Aus Prozesssicht ergibt sich hieraus der Vorteil, dass die anfallenden Aufgaben gut auf die verschiedenen Akteure verteilt und damit parallel erledigt werden können. So sollte am Vormittag z. B. festgelegt werden, dass der Assistenzarzt 1 zunächst die geplanten Entlassungen abschließt, während Assistenzarzt 2 einen Teil der erforderlichen Interventionen abarbeitet. Dadurch gelingt es, die Betten für Neuaufnahmen ab 09.30 Uhr verfügbar zu machen. Danach könnte Assistenzarzt 1 weitere Interventionen erledigen, während Assistenzarzt 2 die Gespräche mit den Neuaufnahmen führt. Die genannten Beispiele sollen verdeutlichen, dass durch eine transparente Aufgabenverteilung die zur Verfügung stehende, knappe Arbeitszeit effektiv – im Sinne des Gesamtprozesses – genutzt werden kann. Dies hat eindeutige Vorteile zum heute oft gängigen Konzept der Selbstorganisation, bei der sich die Akteure stündlich dazu abstimmen, wer welche Aufgaben erledigt: „Du machst die Aufnahme von Herrn Mustermann, während ich die Punktion durchführe!“.

Schließlich ist die onkologische Behandlung dadurch charakterisiert, dass sie geplant in mehreren Zyklen erfolgt. Dementsprechend kennen onkologische Stationen sehr häufig die neu aufzunehmenden Patienten aus deren Voraufenthalten. Um diesen Vorteil organisatorisch zu nutzen, ist es zu empfehlen, am Ende eines Tages einen Zeitraum von 15-20 Minuten für die checklistengestützte (!) Planung der Aufnahmen am Folgetag einzurichten. Durch die frühzeitig gegebenen Anforderungen wird es möglich, diagnostische und therapeutische Maßnahmen bereits am Aufnahmetag gesteuert durchzuführen – dies wird nicht nur die Wahrnehmung des Patienten von den Stationsabläufen positiv beeinflussen, sondern wirkt sich auch betriebswirtschaftlich, durch die Senkung der mittleren Verweildauer, aus.

Die Beispiele zeigen, dass es für onkologische Stationen sehr viele Möglichkeiten gibt, ihre Abläufe zu optimieren. Sie zeigen aber auch, dass diese Stationen vor anderen Herausforderungen stehen, als z. B. die Stationen einer chirurgischen Klinik (siehe hierzu den Blog (Re-)Organisation von chirurgischen Stationen). Unser Stationskonzept ist durch seine Systematik in der Lage, Stationen sämtlicher Fachrichtungen zu optimieren. Wenn Sie sich dafür interessieren, dann finden Sie hier» weitere Informationen.

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