So werden wir nicht Weltmeister!

Kurz nach der Auslosung der Gruppenspiele für die nächste Weltmeisterschaft habe ich Jogi Löw getroffen. Er hat mir erzählt, dass er sich eine völlig neue Taktik für die Nationalmannschaft ausgedacht hat... Wie er darauf kommt? Er hat in einem deutschen Krankenhaus hospitiert und erfahren, dass diese besser als die in Ghana, Portugal und der USA sind. Die Hospitation hat ihn so sehr beeindruckt, dass er die Taktik seines Teams von Grund auf verändern will. Worauf können wir uns künftig einstellen?

Künftig will er unterschiedliche Zuständigkeiten einrichten. Die Sturmreihe bekommt einen eigenen Trainer – er will ihn Chefarzt nennen. Genauso soll es mit der Innenverteidigung geschehen. Auch diese soll einen eigenen Trainer namens Chefarzt bekommen. Die beiden neuen Trainer erhalten unterschiedliche Zielsetzungen und werden danach bezahlt, wie viele Tore ihre Spieler schießen bzw. verhindern. Verlagert sich das Spiel also aus der Abwehr in den Angriff  (Löw möchte hier von Verlegung sprechen), wechselt auch die Zuständigkeit. Grundsätzlich ist eine Zusammenarbeit zwischen beiden gewünscht, sie sollen aber keinen Chef über sich haben, der diese Zusammenarbeit einfordern kann.

Die Spieler auf den Außenbahnen sollen den Spielern in der Mitte zuarbeiten. Für sie werden ebenfalls eigene Abteilungen gegründet, die Funktionsbereiche genannt werden. Auch diese Bereiche erhalten eigene Trainer (Chefärzte), die aber nur beratende Funktion haben. Eine Flanke in die Mitte stellt also nur einen Vorschlag dar. Die Verantwortung für den Torschuss bleibt in der Abteilung Angriff.

Das Mittelfeld möchte Jogi Löw „Pflege“ nennen. Es bildet die Spange zwischen den verschiedenen Abteilungen und federt nebenbei eventuelle Reibungen zwischen den unterschiedlichen Mannschaftsteilen ab. Von den Mittelfeldspielern wird die größte Laufleistung erwartet. Gleichzeitig sollen sie sowohl die Abteilung Angriff als auch die Abteilung Verteidigung unterstützen. Die Leitung des Mittelfelds wird auf eine klare Aufgabenabgrenzung achten. Die Offensive selbst bleibt strikt den Angreifern und die Defensive den Verteidigern vorbehalten.

Mannschaftsaufstellung eines Krankenhauses

Die konsequente Aufgabenteilung lässt sich auch an anderer Stelle verdeutlichen. Wenn der Ball ins Aus springt, ist es strengstens verboten, den Ball selbst zu holen. Dafür gibt es die Balljungen. Sollte mal ein Balljunge zu lange brauchen, wird auch mal ein Mittelfeldspieler den Ball holen, in der Regel auf Anweisung eines Angreifers oder Verteidigers. Letztere sind jedenfalls zu hoch bezahlt, um selbst einen Ball aus dem Aus zu holen.

Wichtig ist in diesem Fall auch eine ausführliche Dokumentation. Spätestens wenn Bälle das Spielfeld verlassen (Löw: "Der Ball wird aus dem Spielfeld 'ent'-lassen"), müssen die beteiligten Spieler zu jeder Ballberührung eine ausführliche schriftliche Dokumentation anfertigen. Schätzungen zufolge wird diese Arbeit ca. 30% der Gesamtzeit einnehmen.

Jogi Löw wird nicht mehr steuernd ins Geschehen eingreifen. Er wird nur noch Rahmenbedingungen setzen. Die einzelnen Chefärzte müssen vor Spielbeginn angeben, welchen Schwierigkeitsgrad die Spielzüge haben sollen. Daraus wird Jogi Löw berechnen, wie viele sogenannte Ärzte und Pflegekräfte benötigt werden. Für die Berechnung greift er auf ein System der FIFA zurück, das zwar schwer zu verstehen ist, für das es aber keine brauchbare Alternative gibt.

Neu wird auch der Personaleinsatz während des Spiels sein. Das Spiel wird von vielen Auswechslungen geprägt sein. Damit nehmen die Trainer bestmöglich Rücksicht auf die privaten Bedürfnisse seiner Spieler. Einer der Mittelfeldspieler hat beispielsweise von der 30. bis zur 45. Minute und von der 70. bis zur 80. Minute anderweitige Verpflichtungen und wird während dieser Zeit durch einen anderen Mittelfeldspieler ersetzt. Außerdem müssen Spieler, die einen Sprint über den ganzen Platz machen, für fünf Minuten ausgewechselt werden. Solche Ereignisse, die zwangsläufig eine temporäre Auswechslung nach sich ziehen, möchte Löw allgemein „Nachtdienst“ nennen.

Das Spielergebnis soll künftig nicht mehr so breit bekannt gemacht werden. Die Funktionsbereiche sollen nur noch auf Nachfrage bzw. in besonders komplizierten Fällen erfahren, wie das Spiel ausgegangen ist. Ansonsten sollen sie sich auf eine erfolgreiche Vorbereitung von Torchancen bzw. deren Verhinderung konzentrieren.

Jogi Löw ist davon überzeugt, dass die neue Taktik zu einer viel besseren Ballbehandlung und zum sicheren Gewinn der Weltmeisterschaft führen wird.

 

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