Das PEPP-Entgeltsystem – Maßnahmen für einen erfolgreichen Umstieg

Am 1. Januar 2013 ist das Psych-Entgeltgesetz in Kraft getreten. Damit wurde die gesetzliche Grundlage für ein leistungsorientiertes und pauschalierendes Vergütungssystem in psychiatrischen und psychosomatischen Einrichtungen geschaffen. Die Fachverbände standen der Einführung des Entgeltsystems von vorhinein mit viel Skepsis und Kritik gegenüber. Es herrscht(e) die Sorge, dass das neue Entgeltsystem die psychiatrische Leistungsversorgung nicht richtig abbildet und die Patientenversorgung mittel- bis langfristig verschlechtern wird. Nach einem guten halben Jahr scheint sich an dieser Haltung der Fachverbände und insbesondere der Kliniken hinsichtlich des neuen Vergütungssystems nicht viel geändert zu haben. Bei einer Internetrecherche nach Rückmeldungen stößt man meist auf Artikel zum PEPP-Entgeltsystem, die über Befürchtungen und negative Erfahrungen berichten, z.B.:

  • Ärzte Zeitung, 31.01.2013: „Die Skepsis überwiegt“
  • RP Online, 05.03.2013. „Müssen Kranke bald zu früh gehen?“
  • Bonner Generalanzeiger, 16.04.2013: „Pflegepersonal wehrt sich gegen neue Entgeltverordnung“
  • Ärzte Zeitung, 25.04.2013: „Ärzte lehnen Entgeltkatalog ab“
  • Spiegel Online, 26.06.2013: „Psychiatrie und Psychotherapie: Schwerkranke werden schlechter versorgt“

Ungeachtet des Widerstandes der Fachverbände und Kliniken müssen sich die Leistungserbringer auf das neue Vergütungssystem einstellen, da alle psychiatrischen und psychosomatischen Einrichtungen ab 2015 umsteigen müssen.

Die Einführungsphase des neuen Entgeltsystems umfasst einen Zeitrahmen von 9 Jahren

Um den Kliniken die Umstellung zu erleichtern, erfolgt die Einführung des neuen Vergütungssystems schrittweise über mehrere Jahre hinweg. Seit 2013 haben interessierte Einrichtungen die Möglichkeit auf freiwilliger Basis ihre Leistungen nach den Regelungen des PEPP-Entgeltsystems abzurechnen. Diese Optionsphase endet mit dem Jahr 2014. Demnach beginnt in weniger als 1,5 Jahren die verbindliche Anwendung der PEPP-Abrechnungsbestimmungen für alle psychiatrischen und psychosomatischen Einrichtungen. Bis Ende 2016 gilt dabei der Grundsatz der Budgetneutralität. Im Anschluss folgt die 5-jährige Konvergenzphase, in der die krankenhausindividuellen Basisentgeltwerte stufenweise an den jeweiligen Landesbasisentgeltwert angeglichen werden.

Was ist wichtig bei der Umstellung auf das neue Entgeltsystem?

Über einen Punkt sind sich alle Beteiligten einig: Der Dokumentationsaufwand wird sich für die Kliniken in den kommenden Jahren deutlich erhöhen. Neue Sachverhalte und Einflussfaktoren (z.B. Haupt- und Nebendiagnosen) sind fallbezogen zu dokumentieren und waren vorher in dieser Form sowie Präzision nicht relevant für die Vergütung. Zur Sicherung der Erlöse ist daher eine umfassende, vollständige, lückenlose und zeitnahe Dokumentation maßgebend. Da wir in vielen psychiatrischen und psychosomatischen Einrichtungen beratend tätig sind, haben wir eine gute Übersicht, welche Maßnahmen erforderlich sind, um aktiv mit dem neuen Entgeltsystem umgehen zu können. Schwerpunkte sind:

Strukturelle und personelle Anpassungen (Aufbau von Medizincontrolling, Einstellung von Kodierfachkräften, Etablierung eines Lenkungsausschusses)

  • Optimierung des Leistungsprogramms (z. B. Strukturierung des Angebots von Physio- und Ergotherapie)
  • Einsatz bzw. Erweiterung eines Klinikinformationssystems
  • Regelung des Kodierprozesses (Verantwortlichkeiten, Zeitrahmen, Überprüfung etc.)
  • Dokumentationsschulungen für ärztliche, therapeutische und pflegerische Mitarbeiter
  • Aufbau eines Kennzahlensystems zur Evaluierung der Dokumentationsqualität

Die psychiatrischen und psychosomatischen Einrichtungen werden ihre vorhandenen Strukturen sowie Prozesse eruieren und umgestalten müssen, um einen erfolgreichen Umstieg auf das neue Entgeltsystem zu schaffen. Trotz der Anreizmechanismen für einen frühzeitigen Wechsel in den Optionsjahren, scheinen sich nur wenige Kliniken in diesem Jahr für eine Einführung des neuen Vergütungssystems entschieden zu haben. Es ist sicherlich empfehlenswert, nächstes Jahr freiwillig umzusteigen, um die initiierten Struktur- und Prozessänderungen zu erproben und für den Echtbetrieb ab 2015 zu optimieren.

Studie zu den Entwicklungen durch das neue Entgeltsystem in Psychiatrien

Vor dem Hintergrund der anstehenden Veränderungen haben wir 2013 in Kooperation mit der SRH Hochschule Berlin in einer Studie die Auswirkungen dieser Reform auf die interne Aufbau- und Ablauforganisation in psychiatrischen Einrichtungen untersucht. Die Umfrage hat sich an Kaufmännische Direktoren von Psychiatrien und von Krankenhäusern mit psychiatrischen Abteilungen gerichtet. Im Juni 2013 haben wir die Befragungsphase abgeschlossen und mit der Auswertung begonnen. Demnächst werden wir Sie mit einem Blogbeitrag zu ersten Ergebnissen aus der Studie informieren. Besuchen Sie uns also wieder, um weitere Impulse für Maßnahmen zum erfolgreichen Einstieg in das PEPP-System zu gewinnen.

 

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