EndoProthetikZentrum - Ein Praxisbericht

In den letzten Monaten ist die Nachfrage nach dem fachspezifischen Zertifizierungsverfahren EndoCert stark angestiegen und das spürbare Interesse an den EndoProthetikZentren lässt vermuten, dass über die Zertifizierung der Wettbewerb im endoprothetischen Leistungsspektrum noch sehr viel stärker werden wird als bisher. Zudem wird interessant werden, wie die Kassen mit den Zentren umgehen werden, um ggf. Individualverträge mit Zentren auszuhandeln.

Auf Grund dieser Beobachtung und weil ZeQ in den letzten Monaten in etlichen Einrichtungen Erfahrungen gesammelt hat, möchten wir Ihnen an dieser Stelle einige wichtige Praxistipps geben. Wir wollen zeigen, wie man einzelne Forderungen praktisch umsetzen kann:

1. Auf die Fallzahlen kommt es an.

Jede Einrichtung sollte genau prüfen, ob sie alle Anforderungen an die Zentren in Bezug auf die Fallzahlen erfüllt. Hierzu gehören die Gesamtleistungszahlen, die Differenzierung nach Hüft- und Knie-TEP und - ganz besonders wichtig - die operateursbezogenen Fallzahlen. Auch wer die Sonderregelung bis 31.12.2013 in Anspruch nimmt, muss für die Operateure sogar rückblickend ab 2009 die endoprothetische Expertise von über 50 Eingriffen nachweisen können. Wichtig zu wissen ist auch, dass im Falle der Sonderregelung (also wenn die Zusatzqualifikation "Spezielle Orthopädische Chirurgie" nicht vorhanden ist) der Antrag bis 31.12.2013 gestellt werden muss, das Audit kann dann noch bis 30.6.2014 durchgeführt werden.

2. Kooperationsvereinbarungen: Aus Vielen mach Eins.

Ein wesentlicher Bestandteil eines Zentrums ist die interdisziplinäre Zusammenarbeit. Diese soll strukturiert und verbindlich geregelt werden - über so genannte Kooperationsvereinbarungen. In jedem Fall müssen mit folgenden Bereichen diese Vereinbarungen getroffen werden: Radiologie, Anästhesie, Pathologie, Mikrobiologie, Physiotherapie und Sozialdienst. Dies geht aus der speziellen Matrix im Erhebungsbogen hervor. Ob darüber hinaus Vereinbarungen mit weiteren Partnern abgeschlossen werden müssen, hängt von der Struktur des einzelnen Zentrums ab (z.B. ob eine Gefäßchirurgie im Haus ist oder nicht). Um dem Zentrum eine übersichtliche Struktur und Regelungstiefe zu geben, empfehlen wir, eine Geschäftsordnung für das Zentrum zu entwickeln, aus der alle Mitglieder des Zentrums hervorgehen und im Anhang die Inhalte der einzelnen Kooperationen zu listen. Die Geschäftsordnung wird dann formal von allen Kooperationspartnern und den weiteren Mitgliedern der Lenkungsgruppe in Kraft gesetzt. Auf diese Weise erspart sich das Zentrum viel Dokumentenpflege und die Überwachung vieler einzelner Verträge. Auch der Austritt von Kooperationspartnern und der Eintritt von neuen Partnern lässt sich über die Fortschreibung der Geschäftsordnung gut regeln. Zuletzt dient die Geschäftsordnung auch als Regelwerk für die jährliche Leitungskonferenz (z.B. Stimmrechte, Beschlussfähigkeit etc.).

3. Behandlungspfade und Dokumentation: Der Worte sind genug gewechselt, lasst uns endlich Taten sehen...

Es werden explizit schriftliche Behandlungspfade gefordert, die für die Primär- und die Wechselendoprothetik bei Knie und Hüfte gelten. Ein Behandlungspfad meint hier die berufsgruppenübergreifende Festlegung von Vorgehensweisen und Standards über die gesamte Patientenversorgung inkl. organisatorischer Forderungen. Idealerweise wird ein Behandlungspfad nach Behandlungstagen gegliedert, somit trägt er einen wertvollen Teil zum Verweildauermanagement bei. Mit der reinen Erstellung der Pfade ist es jedoch nicht getan. Es gilt, sie in die Praxis umzusetzen und in gewissen Zeiträumen hinsichtlich ihrer Umsetzbarkeit und Abweichungen zu evaluieren. Bei unseren Projekten in EndoProthetikZentren legen wir großen Wert darauf, dass die Pfade mit dem gesamten Behandlungsteam erstellt werden, also werden neben den Ärzten und den Pflegekräften auch Physiotherapeuten, Sozialdienst, Schmerztherapeuten, Orthopädietechnik etc. eingebunden. Ziel muss es sein, einen in die Tat umsetzbaren Behandlungspfad zu erstellen. Unser Mittel zum Zweck sind so genannte Pfadkurven. Mit deren Hilfe lassen sich die Inhalte der festgelegten Standards in einer vorgedruckten Patientenkurve übertragen. Damit haben die Ärzte, Pflegenden und Therapeuten alle geplanten Routinetätigkeiten in der Kurve. Die Kurve hat somit verschiedene Effekte:

  • weniger Dokumentation, da Routinetätigkeiten nur noch abgezeichnet werden müssen
  • keine Übertragungsfehler bei Kurven über zwei oder mehr Wochen
  • Einhaltung der Standards für jeden Patienten
  • klare Orientierung an den geplanten Verweildauern
  • Nachweis der organisatorischen Tätigkeiten wie "OP-Checklisten", Planung Sozialdienst usw.

Am Ende lassen sich mit den Pfadkurven vor allem auch Abweichungen vom Standard wesentlich leichter evaluieren, da diese viel besser erkennbar werden.

4. Den Zentrumsgedanken realisieren.

In vielen Einrichtungen ist die Orthopädie oder die Unfallchirurgie die treibende Kraft und die Abteilung, um die sich das Zentrum dreht. Das ist gut nachvollziehbar, sollte jedoch nicht dazu führen, den Zentrumsgedanken zu ignorieren. Das Zentrum fasst alle Disziplinen, die in die endoprothetische Versorgung involviert sind, zusammen. Auch für diese bestehen eindeutige Anforderungen und diese sollten nicht unterschätzt werden. Hervorzuheben sind z.B. die Themen Gefäßchirurgische Notfälle, Fort- und Weiterbildungskonzepte in allen Berufsgruppen des Zentrums (inkl. technische Orthopädie und bei den Implantatherstellern) sowie das komplette OP-Management (von der prospektiven OP-Planung über die Festlegung des verbindlichen OP-Programmes bis hin zur strukturierten Übergabe an den Aufwachraum). Wir empfehlen daher die intensive Zusammenarbeit auch in diesen Bereichen und Abteilungen - es wird nicht die operierende Abteilung alleine zertifiziert.

5. Den Aufwand für die Kliniker gering halten - diese müssen vor allem umsetzen.

Wir werden oft gefragt, wie hoch der Aufwand für den Aufbau eines EndoProthetikZentrums für die Kliniken ist. Natürlich hängt dies stark von den Strukturen und vorhandenen Abläufen einer Einrichtung ab. Was sich jedoch mit Sicherheit sagen lässt: der Aufwand für die Kliniker entsteht vor allem bei der Umsetzung und der Einhaltung der Regelungen und dies wird von den Gutachtern vor allem geprüft werden. Es wird im EndoCert-Verfahren sehr stark darauf geachtet werden, dass die "Realität mit dem Versprochenen" übereinstimmt. Dies wird vor allem bei der Dokumentation deutlich werden (z.B. die durchgeführte präoperative Fallbesprechung bzw. die präoperative Prothesenplanung) sowie an Hand der Kennzahlen, die für die vorangegangenen Jahre/Monate erfasst werden und den Gutachtern nachvollziehbar dargelegt werden müssen.

Beachten sollten die Abteilungen auch, dass bestimmte Verfahren auch eine gewisse Zeit bis zur Einführung brauchen, da für die Teilnahme am Endoprothesenregister Deutschland oder für die Prothesenplanung bspw. spezielle Hard- und Software angeschafft und eingerichtet werden muss.

Die Praxis zeigt also aus unserer Sicht fünf wesentliche Punkte:

a) Beim Aufbau eines EndoProthetikZentrums ist sorgfältig vorzugehen, schnell werden Details vergessen oder ignoriert, die am Ende aber entscheidend sein können.

b) Für alle Anforderungen gibt es Lösungen, die die Einrichtung umsetzen kann.

c) Die Umsetzung und Einhaltung der Regelungen ist die Herausforderung, da hierfür evtl. ganz neue Routinen entstehen müssen.

d) Es geht nur mit allen involvierten Disziplinen und nicht alleine.

e) Gut Ding will Weile haben - Planen Sie ausreichend Zeit für z.B. Softwareinstallationen mit ein.

Wir werden unsere Blogleser zukünftig natürlich auf dem Laufenden halten und an dieser Stelle über unsere weiteren Praxiserfahrungen berichten. Wenn Sie sich über unser Beratungsangebot zur Zertifizierung von EndoProthetikZentren informieren möchten, dann klicken Sie bitte hier >>

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