EndoprothetikZentrum: Anforderungen und Schwerpunkte

Nach der zunehmenden Zentrenbildung in anderen medizinischen Fachbereichen (Traumazentren, Darmkrebszentren etc.) wurden im Oktober vergangenen Jahres  auf Initiative der Deutschen Gesellschaft für Orthopädie und Orthopädische Chirurgie fachliche und organisatorische Anforderungen an sogenannte EndoProthetikZentren (EPZ) definiert. Ein Gremium bestehend aus Experten für Endoprothetik und Qualitätsmanagement hat im Rahmen einer mehrjährigen Pilotphase in 20 deutschen Kliniken qualitätsrelevante Faktoren evaluiert, die sich nachweislich positiv auf den Behandlungserfolg bei endoprothetischen Eingriffen auswirken. Diese Faktoren sind als Anforderungen in einem Erhebungsbogen zusammengetragen. Er bildet die Grundlage für die Zentrumszertifizierung nach „EndoCert“. Grundsätzlich beziehen sich die fachlichen Anforderungen auf eine festgelegte Mindestmenge durchgeführter Eingriffe von Hüft- und Knieendoprothesen, die Qualifikation des Personals (z. B. Zentrumsleiter, Operateure), die Infrastruktur (z. B. OP-Ausstattung, Möglichkeit einer intensivmedizinischen Versorgung) sowie die Erfassung und Kontrolle bestimmter Qualitätsindikatoren. Darüber hinaus  müssen bestimmte strukturelle Voraussetzungen erfüllt werden, um sich als Zentrum zertifizieren zu lassen. Die strukturellen Vorgaben betreffen unter anderem folgende Themen:

  • Beschreibung und Identifikation von Kern- und Stützprozessen
  • Allgemeines Qualitäts- und Risikomanagement
  • Erfassung der Ergebnisqualität
  • Besprechungswesen
  • Kooperationsmanagement

Analog zum OnkoZert-Verfahren werden teilweise konkrete Vorgaben zu einzelnen Themen gemacht. So sind zum Beispiel Wartezeiten während der Sprechstunde, der Eingang von Konsilbefunden und die Lieferzeit von Sonderanfertigungen der technischen Orthopädie regelmäßig zu evaluieren. Gleichzeitig dürfen die Erhebungen einen bestimmten kritischen Wert nicht überschreiten.

Ein tiefergehender Blick in die Themen zeigt, dass viele etablierte Rahmenbedingungen aus dem Qualitätsmanagement bereits bestehender Zertifizierungssysteme übernommen wurden. Dabei liegt ein Schwerpunkt in der Beschreibungen  von Kern- und Stützprozessen in Form von Behandlungspfaden, SOP und/ oder Standards. Gegenüber anderen Zertifizierungsverfahren sind die fachlichen Anforderungen weitaus höher, da nachgewiesen werden muss, dass tatsächlich die Behandlungspfade und operativen Verfahren wie beschrieben durchgeführt und dokumentiert werden. Darüber hinaus müssen die Fachabteilungen auch Abweichungen von den standardisierten Vorgehensweisen begründen und dokumentieren – sicher ein wichtiger Schritt in Richtung Qualitätsentwicklung und kontinuierliche Verbesserungen der eigenen Abläufe.

Darüber hinaus gewinnt die Ergebnisqualität an Bedeutung. Eine Erhebung von Komplikationen und Interventionen während der Behandlung wird um die regelmäßige Erfassung weiterer Indikatoren ergänzt (Beschwerden von Patienten, Einweiser- und Patientenzufriedenheit). Diese müssen anschließend in gleichmäßigen Abständen erhoben und zum Teil sogar monatlich intern vorgestellt werden. Hier liegt sicherlich der größte Aufwand für die teilnehmenden Einrichtungen: die Kennzahlen sollten leicht auswert- und verfügbar sein, so dass dafür sicher auch eine intensive Beschäftigung mit den KIS-Daten erforderlich ist.

Die Patienten dürften von den Endoprothetik-Zentren profitieren, weil die Transparenz zu einer besseren Entscheidungsfindung für die richtige Einrichtung beiträgt. Nicht zuletzt werden die in letzter Zeit immer wieder vermuteten „überflüssigen“ Operationen durch das Zertifizierungsverfahren kritisch hinterfragt, da die Indikationsstellung und Entscheidung für die endoprothetischen Eingriffe auf einem hohen fachlichen Niveau innerhalb des Behandlungsteams getroffen werden müssen. Aus Sicht der Krankenkassen bedeutet die Zentrumsbildung einen weiteren Schritt in die beabsichtigte Richtung: Höhere Zentralisierung der operativen Versorgung in fachlich ausgezeichneten Einrichtungen. Daher erscheint die Zertifizierung als eigenständiges Zentrum oder in Kooperation mit anderen Leistungserbringern für Krankenhäuser strategisch äußerst sinnvoll.

Als kurzer Hinweis: Kurz nach der Veröffentlichung des Erhebungsbogens haben sich insgesamt 26 Kliniken als EndoProthetikZentrum nach dem Qualitätssystem EndoCert zertifizieren lassen. Davon sind 21 Zentren der Maximalversorgung. Weitere Einrichtungen haben bereits die Anfragen zur Zertifizierung gestellt. Zertifizierte Einrichtungen kommunizieren ihren Erfolg stark nach außen und genießen den Marketingeffekt in einem wachsenden Markt mit über 400.000 endoprothetischen Eingriffen pro Jahr.

Wir werden in den nächsten Monaten an dieser Stelle immer wieder über unsere Erfahrungen mit dem EndoCert-Verfahren sowie die konkrete Umsetzung in die Krankenhauspraxis berichten und Sie auf Neuigkeiten im Verfahren hinweisen. Informationen zu unserem Leistungsangebot finden Sie unter EndoProthetikZentrum.

 

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Autor: Jan Heinzen
 – 15:34 Uhr

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