Erhöhung der Patientensicherheit im OP

Mit der Verabschiedung des neuen Patientenrechtegesetzes wird der hohe Stellenwert der Patientensicherheit im Rahmen der medizinischen Versorgung und die Etablierung geeigneter Strukturen zur systematischen Vermeidung von Fehlern nochmals betont. Deutsche Kliniken sind nun umso mehr angehalten, ein umfassendes Risikomanagementsystem in ihrer Einrichtung zu implementieren und geeignete Strukturen vorzuhalten, um Fehler systematisch zu reduzieren und Risiken frühzeitig zu identifizieren. Ein besonderes Augenmerk liegt dabei auf dem operativen Bereich, in dem sich Behandlungsfehler nachweislich besonders häufig ereignen. Dies zeigt sich beispielsweise in den Studien der Bundesärztekammer, in denen die meisten Behandlungsfehler im Bereich der operativen Therapie nachgewiesen werden, dicht gefolgt von der postoperativen Therapie auf Rang drei. Daneben werden Unfallchirurgie, Orthopädie und Allgemeinchirurgie als die Fachabteilungen identifiziert, welche von den meisten Begutachtungsanträgen betroffenen sind [1].

Im Zuge des Aufbaus eines umfassenden Risikomanagementsystems gilt es daher, den OP-Bereich besonders genau auf mögliche Fehlerquellen zu untersuchen und Risikobereiche für die Patientensicherheit zu identifizieren. Die durch das “Aktionsbündnis Patientensicherheit“ erarbeiteten Handlungsanweisungen können Krankenhäusern dabei eine deutliche Hilfestellung bieten. Hier sind bereits klassische Fehlerquellen im OP, welche schwerwiegende medizinische wie auch juristische Konsequenzen nach sich ziehen würden, identifiziert, so z.B. unbeabsichtigt im OP-Gebiet belassene Fremdkörper, Eingriffsverwechslungen und ungeklärte Patientenidentitäten. Folgende präventive Maßnahmen werden konkret vorgeschlagen:

Fehlerquelle

Ziel

Maßnahme

Unbeabsichtigt belassene Fremdkörper im OP-Gebiet

Alle verwendeten Materialien sind bekannt, gezählt und dokumentiert.

Einführung standardisierter prä-, peri- und postoperativer Zählkontrollen

Definition klarer Verantwortlichkeiten

Regelung des Ablaufs der Zählkontrollen

Regelung besonderer Situationen (z.B. Teamwechsel oder Notfalleingriffe)

Regelung des Vorgehens bei Abweichung (diskrepantes Zählergebnis, Schadensfall, Maßnahmen zur Schadensbegrenzung)

Schulung der Mitarbeiter

Dokumentation der Zählkontrollen und Überprüfung

Patientenidentifikation

Jeder Patient ist zu jedem Zeitpunkt sicher zu identifizieren.

Aktive und wiederkehrende Identifizierungsmaßnahmen durch:

 

 

Explizite Verantwortlichkeit aller Berufsgruppen

Klar definierte Abläufe und Stationen der Identifikation (bei der Aufnahme und vor jeder Maßnahme)

 

 

Regelung besonderer Situationen (fremdsprachige Patienten, Notfallpatienten, demente Patienten)

 

 

Klare Kommunikationsregeln

 

 

Automatisierte Identifikationssysteme (Armbänder, Barcode, Radio Frequenz Identifikation)

Eingriffsverwechslungen

Jeder Patient wird optimal entsprechend seiner Indikation behandelt.

Vorbeugen von Eingriffsverwechslungen durch definierte Verantwortlichkeiten und Abläufe sowie der Implementierung  eines Vier-Stufen-Modells:

 

 

Aufklärung und Identifikation des Patienten

 

 

Markierung des Einsatzortes

 

 

Identifikation des richtigen Saal

 

 

„Team-time-out“

Quelle: Handlungsempfehlungen Aktionsbündnis Patientensicherheit [2, 3, 4]

Obwohl die Empfehlungen des Aktionsbündnisses bereits seit einigen Jahren erarbeitet und veröffentlicht sind, ist eine flächendeckende Umsetzung der Maßnahmen in deutschen Krankenhäusern bei weitem noch nicht gewährleistet. Ziel muss es sein, die genannten Maßnahmen nachhaltig in die Prozesse im OP  zu integrieren, die verschiedenen Berufsgruppen entsprechend zu sensibilisieren und langfristig ein Bewusstsein für klinische Risiken sowie eine Kultur zu schaffen, in der Fehler angesprochen werden, um ihnen in Zukunft vorbeugen zu können.

Literaturangaben:

[1] Bundesärztekammer- Arbeitsgemeinschaft der deutschen Ärztekammern: „Statistische Erhebung der Gutachterkommission und Schlichtungsstellen für das Statistikjahr 2010“.

[2] Aktionsbündnis Patientensicherheit: „Jeder Tupfer zählt! -Handlungsempfehlung zur Vermeidung unbeabsichtigt belassener Fremdkörper im OP-Gebiet“.

[3] Aktionsbündnis Patientensicherheit: „Handlungsempfehlungen zur sicheren Patientenidentifikation“.

[4] Aktionsbündnis Patientensicherheit: „Handlungsempfehlungen zur Vermeidung von Eingriffsverwechslungen in der Chirurgie“.

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