Kooperationsvereinbarungen in Krebszentren

– so viel wie nötig und so wenig wie möglich

Viele Chefärzte sehen sich vor der Herausforderung, Kooperationsvereinbarungen mit Behandlungspartnern abschließen zu müssen. Dies ist oftmals dann der Fall, wenn ein Tumorzentrum neu gegründet und nach den fachlichen Anforderungen von OnkoZert zertifiziert werden soll. Gefordert sind in diesem Zusammenhang nicht nur schriftliche Vereinbarungen mit externen Behandlungspartnern, sondern auch mit internen Fachabteilungen. Diese Tatsache erscheint vielen zunächst absurd – eine schriftliche Kooperationsvereinbarung zwischen zwei Fachabteilungen eines Krankenhauses? Wozu? Schließlich werden seit jeher Patienten fächerübergreifend behandelt.

Um die Behandlungspartner – ob intern oder extern – nicht mit unnötig viel Papierkram zu behelligen, sollten Kooperationsvereinbarungen kurz und prägnant gestaltet werden und nur auf die relevanten Inhalte eingehen. Der Ersteller der Vereinbarung muss sich vor Augen halten, dass in den meisten Fällen bereits vor Abschluss eine professionelle Zusammenarbeit zwischen den beiden Vertragsparteien bestand und diese nun in formalisierter Form fortgeführt werden soll. Eine Kooperationsvereinbarung bietet hier die Chance die Leistungen der beiden Parteien klar zu umreißen und eventuelle Mitwirkungspflichten festzuschreiben. Außerdem können Punkte, die bei den beiden Kooperationspartnern in der bisherigen Zusammenarbeit zu Unmut geführt haben, eindeutig geregelt werden. Beispiele für Festlegungen sind:

  • Gegenseitige Erreichbarkeit,
  • Zeitspannen, innerhalb derer eine Partei ein Konsil erbracht und befundet haben muss,
  • Zeitspannen, innerhalb derer ein Verlegungsbericht erstellt sein muss,
  • Zeitspannen, innerhalb derer ein Diagnostikbefund verfügbar sein muss,
  • Zeitplanung gemeinsamer Patientenvisiten etc.

Welche Inhalte letztlich in einer Kooperationsvereinbarung abgebildet werden, hängt stets von der Zielsetzung der Vereinbarung und von der individuellen Zusammenarbeit mit dem (potenziellen) Kooperationspartner ab. Allgemein lassen sich jedoch folgende Inhalte bestimmen:

  • In einer kurzen Einleitung wird die Zielsetzung der Kooperation beschrieben.
  • Die Leistungen beider Vertragsparteien sind möglichst detailliert darzustellen. Es ist ratsam, hierbei auch auf die Verfügbarkeit der beiden Vertragsparteien im Rahmen der gemeinsamen Patientenversorgung einzugehen.
  • Verantwortlichkeiten und Zuständigkeiten sind klar zu definieren.
  • Die Dauer des Vertrages und die Kündigungsmodalitäten sind festzulegen.
  • Im Rahmen einer Schlussbestimmung ist zu vereinbaren, dass keine mündlichen Nebenabreden bestehen usw.

Neben diesen „Pflichtinhalten“ können des Weiteren folgende Punkte Bestandteil einer Kooperationsvereinbarung sein:

  • Haftungsrechtliche Aspekte
  • Die Behandlungsprozesse und die jeweiligen Schnittstellen, die von den beiden Vertragsparteien bedient werden müssen
  • Eine Verpflichtung zur Umsetzung ausgewiesener Leitlinien (z.B. S3-Leitlinie, interne Behandlungsleitlinien) oder auch sonstiger Vorgaben (z.B. Zertifizierungsanforderungen)
  • Die jeweiligen Verpflichtungen im Rahmen der Patientendokumentation/ Tumordokumentation
  • Explizite Festlegung der Einhaltung der Schweigepflicht
  • Die Bereitschaft zur aktiven Teilnahme an internen und externen Audits
  • Die Mitwirkung an fachlichen und öffentlichkeitswirksamen Veranstaltungen (z.B. Teilnahme des Behandlungspartners an Fort- und Weiterbildungsveranstaltungen, Fall- / Tumorkonferenzen, Morbiditäts- und Mortalitätskonferenzen oder auch an Patienteninformationsveranstaltungen und dergleichen)
  • Das Einverständnis, die Kooperation öffentlich auszuweisen (z.B. auf Flyern, auf Internetseiten etc.)

Nach dieser umfangreichen Liste an möglichen Inhalten sei abschließend auf die Maxime der Überschrift verwiesen: „so viel wie nötig und so wenig wie möglich“. Die Kooperationsvereinbarungen mit Behandlungspartnern sollten nur die relevanten Aspekte der Zusammenarbeit aufgreifen.

 

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