Six Sigma – ein Qualitätsmanagementansatz zur nachweisbaren und nachhaltigen Prozessoptimierung

KTQ, DIN EN ISO und EFQM sind die am weitesten verbreiteten Qualitätsmanagementverfahren im deutschen Krankenhauswesen. Es sind bewährte Konzepte zur internen Qualitätssicherung, mit deren Hilfe Qualitätsmanagementsysteme in Krankenhäusern etabliert und gefestigt sowie die Struktur-, Prozess- und Ergebnisqualität strukturiert verbessert werden konnten.

Wozu soll ein Krankenhaus dann eine neue QM-Methode einführen, wenn die vorhandenen Modelle bereits zu Qualitätsverbesserungen führen? Die Antwort fällt kurz und knapp aus – um Null-Fehler-Qualität in definierten Prozessen zu erreichen.

Six Sigma strebt ein Qualitätsniveau an, das durch die bewährten QM-Verfahren gar nicht erzielt werden kann. Daher eignet sich die Einführung von Six Sigma insbesondere für Krankenhäuser, die bereits langjährige QM-Erfahrungen besitzen und das Qualitätsniveau auf die höchste Stufe heben möchten.

Das Besondere an Six Sigma ist zum einen das ergebnisorientierte Projektmanagement und zum anderen der auf statistischen Analysen beruhende Prozessverbesserungsansatz. Im Gegensatz zu den gängigen QM-Verfahren - die meiner Meinung nach begrenzt datengestützte Methoden anwenden – werden bei Six Sigma Zahlen, Daten und Fakten von Projektbeginn bis Projektende konsequent erhoben und genutzt. Aufbauend auf statistischen Analysen (z.B. Regressionsanalysen, Hypothesentests) werden die Ursachen für vorhandene Prozessmängel identifiziert, mittels der Durchführung von Six Sigma Projekten eliminiert und unter Anwendung von Kostenrechnungsverfahren die Prozessverbesserungen evaluiert. Besonders der monetäre Nutzen bei Prozessoptimierungen hat beim Projektmanagement nach Six Sigma eine entscheidende Bedeutung und zieht sich von Beginn an wie ein „roter Faden“ durch Six Sigma Projekte. Daher werden die ökonomischen Ergebnisse bei abgeschlossenen Six Sigma Projekten immer wieder hervorgehoben.

Die Erfolgsgeschichte von Six Sigma

Six Sigma wurde 1987 von Motorola in den USA entwickelt. Der Durchbruch gelang der Methode erst mit der erfolgreichen Anwendung bei General Electric. Diese wiesen in Publikationen aus, dass sie durch die Implementierung des Six Sigma Projektmanagements innerhalb von 5 Jahren ca. 6 Mrd. US $ eingespart haben. Allein diese Behauptung führte dazu, dass Unternehmen weltweit, darunter z.B. Ford, Nokia und Deutsche Bahn AG, Six Sigma Projekte als feste QM-Methode in ihren Unternehmen installierten und gezielt ihre Mitarbeiter zu Green und Black Belts ausbildeten. [1]

Der statistische Ansatz bei Six Sigma

Sigma (σ) ist ein statistisches Maß, das die Standardabweichung der Normalverteilung beschreibt, d.h. mit dem Sigma-Wert wird die Streuung von Messwerten um einen Mittelwert (μ) gekennzeichnet. Ein Sigma-Wert von 1 bedeutet, dass in einer Normalverteilung innerhalb eines Bereichs von μ ± 1 σ etwa 31 % der Messwerte liegen; bei 6 σ befinden sich innerhalb des Bereichs von μ ± 6σ ca. 99, 99966 % der Messwerte bzw. umgekehrt liegen nur 0,00034 % der Werte nicht im Intervall μ ± 6σ. Übersetzt in die Praxis entspricht ein Qualitätsniveau von 6 σ bei einem Produktionsvolumen von einer Millionen Einheiten nur 3,4 fehlerhafte Prozessoutputs.

Der erhebliche Qualitätsunterschied zwischen einem 99-%-Niveau – entspricht ca. einem 3,8 σ-Niveau – und einem 6 σ-Niveau lässt sich am besten anhand von simplen Beispielen darstellen.

Beispiel

99 % - Niveau

6 σ - Niveau

Paketsendungen

(ca. 3 Millionen Sendungen pro Werktag)

30.000 fehlerhaft zugestellte Pakete pro Werktag

10,2 fehlerhaft zugestellte Pakete pro Werktag

Fahrten von Personenzügen

(ca. 800.000 Fahrten pro Monat)

276 Zugausfälle jeden Tag

33 Zugausfälle im Jahr

Operationen

(ca. 300.000 Operationen pro Woche)

3000 falsche chirurgische Eingriffe in der Woche

4,1 falsche chirurgische Eingriffe im Monat

Die fünf Phasen bei Six Sigma

Bei der Umsetzung von Six Sigma Projekten wird stets nach dem DMAIC-Zyklus verfahren. DMAIC steht für Define, Measure, Analyze, Improve und Control und stellt das Pendant zum PDCA-Zyklus dar (siehe Abbildung unten).

Jeder Phase sind bekannte Methoden und Instrumente aus dem Projekt-, Prozess- und Qualitätsmanagement systematisch zugeordnet, damit diese im Projektverlauf konsistent und strukturiert angewandt werden.

Six Sigma Projekte im Krankenhauswesen

Die Theorie hört sich vielversprechend an, aber wie sieht es mit der praktischen Umsetzung dieses aus der Industrie stammenden Verfahrens im Krankenhauswesen aus? In der Literatur finden sich vereinzelt Belege für erfolgreiche Six Sigma Projekte im Krankenhaus. [2] Einen breiten Durchdringungsgrad konnte Six Sigma jedoch bis dato nicht erzielen, da es keine krankenhausspezifische QM-Methode darstellt. Genau dieser Herausforderung möchten wir uns 2013 stellen und Six Sigma mit unserer langjährigen Expertise im Krankenhauswesen verbinden.

In den nächsten Monaten werden wir Sie mit Blogbeiträgen zu unseren Praxiserfahrungen bei der Anwendung von Six Sigma im Krankenhaus informieren. Besuchen Sie uns also wieder, um neue und innovative Impulse für Ihr Qualitätsmanagement zu gewinnen. Beachten Sie darüber hinaus bitte unser Seminar „Six Sigma im Krankenhaus – von anderen Branchen lernen“ am 11.09. und 12.09.2013 (Anmeldung direkt über training@zeq.de).

 

Literaturangaben:

[1]Töpfer, A. (2007): Six Sigma – Konzeption und Erfolgsbeispiele für praktizierte Null-Fehler-Qualität. 4. Auflage, Springer-Verlag Berlin Heidelberg, S. 95.

[2]Günther, S.; Großekatthöfer, J.; Sobottka, S.; Töpfer, A. (2008): Erstmals Six Sigma im Krankenhaus im Deutschen Krankenhauswesen – Weißer Kittel, Schwarzer Gürtel. QZ, Jahrgang 53, S. 30-36.

 

 

Autor: Lincy Elambasseril
 – 09:59 Uhr
Kategorie(n): Qualitätsmanagement

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