Neue Impulse durch die DIN EN 15224

Die branchenspezifische Norm DIN EN 15224, die speziell für Einrichtungen im Gesundheitswesen entwickelt wird, liegt derzeit als Entwurf vor. Die endgültige Einführung wird für Mitte 2012 erwartet. Die DIN EN 15224 stellt eine interessante Alternative zum KTQ-Verfahren und zur DIN EN ISO 9001:2008 dar. Die europäische Norm basiert auf der ISO 9001:2008, was zur Folge hat, dass weitgehend dieselben Themen abgedeckt werden, wobei die DIN EN 15224 darüber hinaus einzelne Themen vertieft (Risikomanagement, Personalentwicklung, Patientenorientierung).

Der Normentwurf legt den inhaltlichen Schwerpunkt ganz explizit auf die klinischen Prozesse und die Patientenversorgung. Dafür werden nun eindeutige und weniger technische Begriffe der Patientenversorgung und zu klinischen Prozessen verwendet - ein Punkt, der bisher für viele Krankenhäuser, die sich der DIN EN ISO 9001 genähert haben, schnell wieder zu einer gewissen Distanz geführt hat.

Ein Wechsel der Zertifizierungsbasis hin zur DIN EN 15224 eröffnet Krankenhäusern und sonstigen Einrichtungen im Gesundheitswesen neue Entwicklungsmöglichkeiten, die ich im Folgenden genauer darstellen möchte. Sie sind im Wesentlichen durch die folgenden drei Schlüsselfaktoren geprägt:

1) Um die Patientensicherheit zu stärken, legt die DIN EN 15224 einen Schwerpunkt auf den konstruktiven Umgang mit Risiken in der Patientenversorgung. Ein systematisches Management klinischer Risiken führt dazu, dass Einrichtungen im Gesundheitswesen die Patientensicherheit und damit die Behandlungsqualität weiter verbessern können. Somit erhält die Einrichtung einen wichtigen Impuls für die Entwicklung ihrer Stellung im Wettbewerbsumfeld.

2) Eine gute Position im wettbewerbsgeprägten Gesundheitsmarkt erreichen Organisationen heutzutage nur mit exzellenten Mitarbeitern. Um diese zu gewinnen und langfristig im Unternehmen zu halten, bedarf es einer systematischen Planung und Umsetzung der Personalentwicklung. Die 15224 greift diesen Gedanken auf und fordert, dass Mitarbeiter wirksam qualifiziert und weiterentwickelt werden. Eine gute Personalentwicklung kristallisiert sich in dem immer enger werdenden Arbeitsmarkt als entscheidender Wettbewerbsvorteil heraus.

3) Als oberstes Ziel nennt die DIN EN 15224 explizit die Patientenzufriedenheit. Diese kann beispielsweise durch gute Ergebnisse bei Patientenzufriedenheitsbefragungen oder vordere Plätze in Krankenhausrankings nachgewiesen werden. Um das laut Norm „allumfassende“ Ziel der Patientenzufriedenheit zu erreichen, müssen die Organisationen im Gesundheitswesen patientenorientiert arbeiten und die Sicherheit ihrer Schlüsselkunden nachhaltig gewährleisten. Zufriedene Patienten empfehlen die Einrichtung des Gesundheitswesens weiter und tragen so zu einem nachhaltig guten Ruf bei.

Die Pflichtverfahren sind wie bei der ISO 9001 ebenfalls schriftlich zu regeln und umzusetzen. Zu den Pflichtverfahren zählen in erster Linie die Lenkung von Dokumenten, die Lenkung von Aufzeichnungen, interne Audits, das Fehlermanagement inkl. Management klinischer Risiken, die Lenkung von Korrektur- und Vorbeugungsmaßnahmen und die Managementbewertung.

Die neue Norm nutzt in der Entwurfsversion ein an das Gesundheitswesen angepasstes Vokabular. Im Vergleich zur ISO 9001 sind Kunden zu Patienten geworden und die in der ISO 9001 betrachteten Produkte werden nun als Dienstleistungen beschrieben. Der Entwurf zur Norm bietet außerdem einen ausführlichen Anhang mit verständlichen Erläuterungen, Umsetzungsempfehlungen und Praxisbeispielen. Damit ist die DIN EN 15224 in vielen Punkten konkreter formuliert als die ISO 9001:2008 und sowohl für Einsteiger in die „DIN/ ISO-Welt“ als auch für ISO-9001-Profis ein interessantes Zertifizierungsverfahren.

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Autor: Caroline Schmidt
 – 18:13 Uhr

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