Jetzt wird’s knapp. Ein Plädoyer für Nachhaltigkeit „trotzdem“.

Am 1. Oktober 2012 soll sich die Spreu vom Weizen trennen: Diejenigen Rehaeinrichtungen, denen es gelingt die Anforderungen der Bundesarbeitsgemeinschaft für Rehabilitation (BAR) an ihr internes Qualitätssicherungssystem umzusetzen und dies in einer Zertifizierung auch zeigen können, bleiben belegungsfähig. Die anderen erhalten keine Rehabilitanden mehr zugewiesen. Ein wichtiger Punkt dieser Anforderungen der BAR ist die Umsetzung der ICF.

Kein Wunder, dass sich viele Einrichtungen gegenwärtig unter einem gewaltigen Druck sehen. Nun muss es schnell gehen und da ist die Versuchung groß, dass es mehr um das „Zeigen“ als um die Inhalte und Qualität geht. Das mag auch die Ursache für die Skepsis vieler Einrichtungen an den Vorgaben der BAR sein, deren Auftrag zu ressourcenintensiver Doppelarbeit führe, der kein Ertrag gegenübersteht.

Dabei erscheinen die Kriterien der BAR aus der Sicht des Beraters durchaus schlüssig und sinnvoll. Das Problem liegt in vielen Fällen eher daran, dass man sich nicht wirklich auf die Anforderungen einlassen mag und sie halbherzig neben den bestehenden Prozessen zusätzlich laufen lässt. Das bedeutet dann doppelten Aufwand und verursacht doppelte Kosten.

Kernelemente einer ICF-Orientierung sind im Sinne der BAR eine nachvollziehbare Planung, Zielsetzung und Durchführung des Rehabilitationsprozesses. Sie umfasst eine zweifache Teilhabeorientierung zur Beteiligung des Rehabilitanden an der Rehabilitationsplanung und –zielsetzung einerseits und an der Durchführung andererseits.

An der Zielsetzung hapert es noch in vielen Einrichtungen. Die Anforderungen sind zugegebenermaßen komplex, aber nicht unüberwindlich. So sind die Ziele des Rehabilitanden selbst und seiner Bezugspersonen ebenso zu berücksichtigen und zu dokumentieren wie diejenigen der Leistungsträger und dem gesellschaftlichen Umfeld. Dabei hilft eine konsequente hierarchische und perspektivische Gliederung der Ziele, die SMART zu formulieren sind (zur Erinnerungen: SMART steht für Spezifische, Messbare, Angemessene, Realistische und Terminierbare Ziele). SMART heißt aber zugleich auch verzweifelt konkret, nämlich in Assessments anhand der Anforderungen von BAR und ICF messbar gemacht. Das birgt selbstverständlich Stoff für Diskussionen, aber das ist ja auch gewollt. Gemäß den Anforderungen der BAR ist – ganz konkret – das Rehabilitationsergebnis zum Ende der Rehamaßnahme mit dem Rehabilitanden zu besprechen. Hand aufs Herz: Wo geschieht das schon mit der geforderten Konsequenz und über die rein medizinischen Befunde hinaus? Eine frühzeitige Zielabsprache kann hier vieles erleichtern. Und ein weiterer Vorteil für die Heilbehandlung: Im Ergebnis eines solchen interdisziplinären Zielsetzungsprozesses kannein ausgewogener Berichtsbogen erzielt werden, der die Verwendung der verfügbaren Ressourcen (z. B. hinsichtlich der körperlich durchführbaren Therapien pro Tag oder der Dauer der Rehabilitationsmaßnahme und Möglichkeiten der häuslichen Umgestaltung) optimal Rechnung trägt.

Durchaus ein höchst sinnvolles Anliegen. Man muss sich nur darauf einlassen und die Aufgaben nicht bloß halbherzig angehen. Dann entsteht auch ein Nutzen aus der Erfüllung der Kriterien. Für eine sinnvolle Umsetzung gilt das oben Genannte: Jetzt wird’s knapp. Es sind noch acht Monate bis die Umsetzung nachgewiesen werden muss.

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