Der MDK zwischen Krankenhäusern und Kostenträgern

Mit der flächendeckenden Einführung des DRG-Systems in Deutschland sehen sich die Krankenhäuser in den letzten Jahren einer steigenden Zahl an Anfragen und Einzelfallprüfungen durch die Kostenträger ausgesetzt. Schaut man in die einschlägigen DRG-Foren (z. B. mydrg.de), verstärkt sich der Eindruck, dass es kaum noch einen Krankenhausarzt gibt, der sich nicht mit Einsprüchen und Stellungnahmen beschäftigt. Viele Häuser überlassen deshalb inzwischen sowohl die Leistungsdokumentation, die Kodierung der Diagnosen und Behandlungen als auch die Bearbeitung von Gutachten ausgebildeten Fachkräften.

Häufig wird in diesem Zusammenhang dem Medizinischen Dienst der Krankenkassen (MDK) die Rolle des „Schwarzen Peters“ zugeschoben. Dessen Aufgabe besteht darin, von den Krankenkassen ausgewählte Abrechungsfälle, hinsichtlich der Qualität der Leistungserfassung und Kodierung zu prüfen. Hierbei gewährt der Gesetzgeber sowohl eine Prüfung auf Aktenlage als auch vor Ort. Da es dem MDK zunehmend schwer fällt, die wachsende Zahl an Anfragen zeitnahe abzuarbeiten, wurden regelmäßig stattfindende Treffen zwischen Vertretern der Krankenkassen und dem MDK etabliert. Diese haben zum Ziel, durch eine gemeinsame Selektion die Zahl der Anfragen auf die mit erlösveränderndem Potenzial zu reduzieren. Nach Aussage der DAK bleibt so noch ein Anteil von etwa zehn Prozent an durch den MDK nachzuprüfenden Fällen pro Jahr.

Kontrovers wird in diesem Kontext die Rolle des Arztbriefes diskutiert. Vielfach wird zunächst nur dieser anstelle der gesamten Patientenakte durch den MDK angefordert. Diente der Arztbrief in der Vergangenheit ausschließlich der Weitergabe von medizinisch relevanten Informationen zwischen den behandelnden Ärzten, wird er heute zur Beurteilung abgerechneter Leistungen herangezogen. Hier gilt zu diskutieren, wie viel abrechnungsrelevante Informationen tatsächlich in einen Arztbrief aufgenommen werden sollten, so dass dieser seinem eigentlichen Zweck nicht entfremdet wird.

Abschließend bleibt zu sagen, dass sich die Zusammenarbeit zwischen Krankenhäusern, Kostenträgern und MDK konstruktiv gestaltet, wenn auch noch einige Verbesserungspotenziale bestehen.  So gilt es seitens der Kostenträger den noch stark bürokratisierten Prüfprozess weiter zu deregulieren. Krankenhäuser sind dazu aufgefordert zu überlegen, wie sie der steigenden Zahl an MDK-Anfragen Herr werden. Langfristig empfiehlt sich die institutionalisierte Einrichtung eine zielgerichteten und effektiven MDK-Controllings.

[1] Rapp, Boris (2004): Der Arztbrief als Basis für Gutachten, in: Das Ärzteblatt, Jg. 101.

[2] Heiler, Eva (2007): DRG-Abrechnung und MDK-Prüfungen, in: Krankenhaus-Umschau.

[3] Gramminger, Stefan (2009): Innovationsreport – DRG-Management.

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