Für eindeutige Ziele in der Rehabilitation - Teil II: PPM

Letzte Woche hatte ich in meinem Blog aus einer betriebswirtschaftlichen Dissertation die Erkenntnis entnommen: Je mehr Ziele gleichzeitig erfolgt werden, desto geringer ist der Gesamterfolg.[1] Da der Verfasser es bereits in jungen Jahren zum Direktor in einer Schweizer Bank gebracht hat, erschien es mir lohnend der Frage weiter nachzugehen, ob die Erkenntnis auch auf den Rehabereich übertragbar ist.

In meinem Blog hatte ich festgestellt, dass die Erkenntnis hinsichtlich der Planung einer Rehamaßnahme sicherlich gültig ist. Um innerhalb eines Rehateams zu einer einheitlichen Zielsetzung zu kommen, schlug ich vor, die ICF zu verwenden und teilhabeorientierte Ziele zu ermitteln und anzustreben.

Nun sind die medizinisch-therapeutischen Ziele in einer Einrichtung nur die eine Seite der Medaille. Voraussetzung für die Erbringung hochwertiger rehabilitativer Leistungen ist es zumindest in einer längerfristigen Perspektive, eine auskömmliche Ertragslage zu sichern.

Eine Binsenweisheit, aber eine oft als unangenehm empfundene. Was dazu führt, dass die Sicherung der Ertragslage der Geschäftsführung zugeordnet wird, der es dann obliegt die Ressourcenausstattung zu bestimmen und für Effizienz zu sorgen. Was häufig nicht ganz leicht fällt, denn der Geschäftsführung fehlt die genaue Einsicht in die Abläufe.

Daneben ist es ja kein Geheimnis: Rehateams als eine Gruppe kompetenter Menschen mit unterschiedlichem Hintergrund sind nur schwer zu steuern, deshalb bleiben sie sich häufig mehr oder weniger selbst überlassen. Allenfalls innerhalb der Berufsgruppen – wie Therapeuten, Pflegemitarbeitern oder Ärzten – kommt man zu einer regelmäßigen Abstimmung. Vorgaben sind nur schwer durchsetzbar. Dabei führt Gruppenarbeit auch nicht quasi automatisch zu guten oder gar effizienten Arbeitsergebnissen. Das gilt bei einer ökonomischen Betrachtung ebenso wie bei der Betrachtung der Therapieleistungen für einen Rehabilitanden. Und wenn es um die zu vereinbarenden Ziele für die Gruppenarbeit geht, führen top-down gesetzte Ziele nicht sehr weit: Für die Akzeptanz sind auch die Bedürfnisse der Mitarbeiter zu berücksichtigen. Und das in einem sich rasch wandelnden Umfeld, da werden ältere Mitarbeiter durch jüngere geführt – häufig ein Ansatzpunkt für Konflikte – und der Wettbewerb um gute therapeutische Mitarbeiter ist in vielen Gegenden bereits intensiv.

Bei der Komplexität der Strukturen kann die Unternehmensleitung nach meiner Meinung letztlich nur noch ergebnisorientiert führen. Bisher werden hierzu häufig Zielvereinbarungen mit leitenden Mitarbeitern eingesetzt, wodurch das Führungsproblem nur auf eine niedrigere Ebene verlagert wird. Notwendig sind jedoch gemeinsame Zielsetzungen für das ganze Rehateam. Damit erhalten Mitarbeiter auch den notwendigen Gestaltungsspielraum, um überhaupt effizient arbeiten zu können.

Gute Erfahrungen werden dabei seit einigen Jahren mit dem „Partizipativen Produktionsmanagement“ gemacht.

Grundlage dieses Vorgehens ist zum einen die Festlegung von Zielvereinbarungen für gesamte Teams. Bis hierhin ist das Vorgehen nicht originell, der Unterschied zum top-down Ansatz aber ist: Hier setzen die Mitglieder des Teams die Ziele selbst fest. Im Gegenzug werden sie organisatorisch bei der Umsetzung durch zeitnahes und umfassendes Reporting unterstützt. Das ermöglicht den Teammitgliedern laufend zu überprüfen, ob sie auf dem richtigen Weg sind. Für die Überprüfung und die Erarbeitung von Maßnahmen zum frühzeitigen Gegensteuern bei Abweichungen müssen die Mitarbeiter zwar qualifiziert sein und auch über die notwendigen Freiräume verfügen, ich bin aber überzeugt: Hier investierte Zeit rentiert sich.

Neben der Grundidee basiert das Verfahren auf einigen weiteren Ansätzen, wie etwa einer prozessorientierten Bewertung von Zielen gemäß dem Nutzen für den Gesamtprozess und einigem weiteren mehr. Das Verfahren leistet damit das, was im Klinikalltag immer schwerer umzusetzen ist: Eine zielorientierte Steuerung von Rehateams, die den fachlichen Kompetenzen der Mitarbeiter gerecht wird und damit auf breite Akzeptanz stößt.


[1] Kyros Khadjavi: Wertmanagement im Mittelstand. Diss. Univ. St. Gallen, 2005. Die Schrift ist im Internet verfügbar.

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