Welche Inhalte hat ein „gutes“ Leitbild?

Spätestens seit Krankenhäuser ihrer QM-Zertifizierung den KTQ-Katalog zugrunde legen, stehen sie vor dem Erfordernis eines prägnant formulierten und allgemein akzeptierten Leitbildes. Zugleich muss dieses natürlich die grundlegende Orientierung der jeweiligen Einrichtung widerspiegeln. Bei der Erarbeitung eines Leitbildes empfiehlt es sich, zunächst die Inhalte festzulegen. Den dezidierten Formulierungen kann sich die Arbeitsgruppe im Anschluss zuwenden. Doch welche Inhalte sind es, die ein aussagekräftiges Leitbild ausmachen? Welche Themen weist ein „gutes“ Leitbild idealerweise auf, welche müssen hingegen nicht zwingend beleuchtet werden?

Zur Beantwortung dieser Fragestellung verweise ich auf Fred R. David, der in seinem Werk „Strategic Management: Concepts and Cases“ neun Themenblöcke identifiziert, die seiner Ansicht nach ein „gutes“ Leitbild ausmachen:

  1. Kunden: Das Leitbild muss nach David die Zielgruppe abbilden, an die sich die Organisation – in unserem Falle also das Krankenhaus – richtet. Wer sind die Kunden des Krankenhauses? Gibt es beispielsweise regionale Beschränkungen?
  2. Produkte/ Leistungen: Welche sind die Hauptprodukte bzw. die bedeutenden Leistungen des Krankenhauses? Wo liegen die Kernkompetenzen? Auf welchem Gebiet der Leistungserbringung weist das Krankenhaus besondere Stärken auf?
  3. Standort/ Wettbewerbsausrichtung: Welches ist der Zielmarkt des Krankenhauses? Können in geographischer Hinsicht Abgrenzungen vorgenommen werden? Welche Märkte bzw. Marktsegmente will das Krankenhaus mit seinen Gesundheitsleistungen bedienen?
  4. Technologie: Wo weist das Krankenhaus spezielles Know-how auf? Durch welche Behandlungs-/ Operationsverfahren hebt sich das Krankenhaus besonders von seinen Wettbewerbern ab?
  5. Überlebenskonzept: Wie sichert das Krankenhaus sein Bestehen am Markt? Wie erreicht es das gewünschte Wachstum, die erforderliche Rentabilität bzw. Wirtschaftlichkeit?
  6. Philosophie: Welche grundlegenden Werte, Überzeugungen und Bestrebungen zeichnen das Krankenhaus aus? Gibt es ein Motto, eine Leitidee bzw. einen Slogan?
  7. Selbstverständnis: Wie sieht sich das Krankenhaus selbst? Wo ordnet es sich im Wettbewerbsumfeld ein? Wie und als was positioniert sich das Krankenhaus im Markt?
  8. Image: Wie will das Krankenhaus von seinen Patienten und Einweisern wahrgenommen werden? Welches „Public Image“ strebt es an?
  9. Mitarbeiter: Welche Einstellung vertritt das Krankenhaus gegenüber seinen Mitarbeitern? Welche Bedeutung haben die Mitarbeiter für das Krankenhaus?

Bei der Erarbeitung eines Leitbildes gilt es, die oben beispielhaft gestellten Fragen prägnant zu beantworten. Rehabilitationskliniken haben zudem die Anforderungen der Bundesarbeitsgemeinschaft für Rehabilitation (BAR) an ihr Leitbild zu berücksichtigen. Diese können sehr gut in die von David vorgestellte Struktur eingeordnet werden. Bereits berücksichtigt sind z. B. die von der BAR geforderten Aussagen zu Selbstverständnis (7.), Auftrag (2., 6., 7.), Handlungsfelder (2., 3.), Führungsgrundsätze (9.), Wirtschaftlichkeit (5.) und Mitarbeiterintegration (9.). Die Punkte Menschenbild (1.), Qualitätsmanagement (2.), Teilhabeorientierung (6.), Kooperationen und Ökologie (5.) lassen sich zusätzlich integrieren. Als Leitspruch für die Erstellung des Leitbildes muss aber gelten, „In der Kürze liegt die Würze“. Ein mehrseitiges Leitbild prägt sich beim Leser nicht ein und verfehlt klar sein Ziel, die grundlegenden Handlungsmaximen des Krankenhauses bzw. der Rehabilitationsklinik im Überblick darzulegen.

Davids Modell ist auf sämtliche Organisationsformen aller Wirtschaftszweige anwendbar, denn Leitbilder dienen generell als Orientierungsrahmen. Die inhaltliche Ausgestaltung der neun Themenkomplexe wird naturgemäß je nach Organisationsform und primärer Zielorientierung große Unterschiede aufweisen.

 

Quelle:
DAVID, Fred R. (2010): Strategic Management: Concepts and Cases, 13. Auflage, Upper Saddle River/ New Jersey (Pearson Prentice Hall).

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