Qualität lohnt sich! Wie sich Reha-Kliniken für den Qualitätswettbewerb rüsten.

1. Das Zulassungsverfahren der Deutschen Rentenversicherung wurde vereinfacht

Bereits Mitte 2017 hat die Deutsche Rentenversicherung (DRV) neue Grundsätze für die Beschaffung von Leistungen zur Medizinischen Rehabilitation veröffentlicht. Diese sehen einen vereinfachten Marktzugang von Reha-Einrichtungen durch ein offenes und transparentes Zulassungssystem vor. Künftig kann jede geeignete Reha-Einrichtung mit jedem Reha-Träger der Rentenversicherung einen Belegungsvertrag nach § 21 SGB IX abschließen, sofern sie die Voraussetzung für eine Inanspruchnahme durch die Träger der DRV erfüllt und ihre Eignung hierfür nachgewiesen hat. Die Prüfung der Eignung erfolgt mittels der von den Trägern der Rentenversicherung einheitlich definierten Anforderungen an Rehabilitationseinrichtungen.

2. Perspektivisch soll die Belegungssteuerung der DRV nach einheitlichen Kriterien erfolgen

Neben dem vereinfachten und transparenten Zugangsverfahren soll die Auswahl der Einrichtung für Rehabilitanden zukünftig ebenfalls anhand einheitlicher Kriterien erfolgen. Vor diesem Hintergrund hat die DRV für das Jahr 2018 eine Pilotphase zur qualitätsorientierten Belegungssteuerung angekündigt. Die zwölfmonatige Pilotphase beschränkt sich zunächst auf die Orthopädie / Rheumatologie, später sollen jedoch weitere Indikationen folgen.

Ein Novum ist, dass die Qualität der Leistungen der jeweiligen Klinik zukünftig eine entscheidende Rolle spielen soll. So sieht das Konzept der Rentenversicherung vor, dass bei der Belegungssteuerung der so genannte „Parameter Qualität“ mit einem Anteil von 70 %, die Wartezeit bis zur Aufnahme mit 20 % und der Preis bzw. Vergütungssatz der Klinik mit 10 % berücksichtigt werden. Im Sinne des Wunsch- und Wahlrechts sei auch erwähnt, dass die Entfernung der Reha-Klinik vom Wohnort des Rehabilitanden keinen unmittelbaren Einfluss auf die Auswahl der Klinik durch die DRV haben soll, jedoch aufgrund medizinischer Notwendigkeit berücksichtigt werden kann.

3. Dem „Parameter Qualität“ kommt eine wichtige Bedeutung zu

Die aggregierte Kennzahl „Parameter Qualität“ setzt sich aus den Ergebnissen der Reha-Qualitätssicherung der Rentenversicherung zusammen. Bei der Bildung des Parameters fließen die Ergebnisse folgender Qualitätsindikatoren mit einem jeweils gleichen Prozentanteil ein:

  • Zufriedenheit der Rehabilitanden mit der Behandlung
  • Subjektiver Behandlungserfolg
  • Therapeutische Versorgung (Klassifikation therapeutischer Leistungen – KTL))
  • Reha-Therapiestandards
  • Peer-Review-Verfahren

Darüber hinaus sollen Kliniken mit Pluspunkten belohnt werden, wenn sie bei mindestens vier Qualitätsindikatoren im oberen Drittel der Vergleichsgruppe liegen.

Unterschreitet eine Einrichtung jedoch bestimmte Schwellenwerte bei den Qualitätsindikatoren, wird ein so genannter strukturierter Qualitätsdialog durch die DRV ausgelöst. Dieser dient als kollegialer Dialog der Qualitätsentwicklung und der Behebung etwaiger Qualitätsmängel der betroffenen Klinik.

4. Was bedeuten die Neuerungen konkret für Reha-Einrichtungen?

Für eine Klinik, welche den Abschluss eines Belegungsvertrags mit einer Rentenversicherung anstrebt, bedeuten die Neuerungen Chance und Herausforderung zugleich. Im Rahmen eines Zulassungsverfahrens wird zunächst geprüft, ob das Angebot der Klinik in qualitativer Hinsicht die Anforderungen der DRV an eine ganzheitliche und interdisziplinär ausgerichtete Rehabilitation erfüllt. Für die Klinik heißt das, dass sie die Anforderungen hinsichtlich Personal, Strukturen und Konzepten erfüllt und ein zertifiziertes Qualitätsmanagement nachweisen muss. Eine weitere wesentliche Voraussetzung ist die Teilnahme am QS-Programm der Rentenversicherung.

Bei einer Visitation vor Ort erfolgt im Anschluss eine umfassende Bewertung der Qualität der Rehabilitationseinrichtung durch die Rentenversicherung. Erst wenn die Anforderungen an die Struktur- und Prozessqualität vollständig erfüllt sind, muss die Rentenversicherung „grünes Licht“ für einen Belegungsvertrag nach § 21 SGB IX erteilen.

5. Welchen Stellenwert hat die Reha-Qualitätssicherung zukünftig?

Da die Qualität der Leistungserbringung bei der Auswahl einer Reha-Klinik in Zukunft eine zentrale Rolle spielen soll, kommt der Erfüllung der Qualitätsindikatoren eine besonders hohe Bedeutung zu.

Vor allem diejenigen Kliniken, für die die Reha-Qualitätssicherung der DRV noch relatives Neuland darstellt, tun gut daran, sich eingehend mit den Qualitätsindikatoren zu beschäftigen. Dabei sollten sich die Einrichtungen nicht damit begnügen, einen Qualitätsdialog mit der Rentenversicherung zu vermeiden, sondern sich vielmehr möglichst im oberen Drittel der Vergleichsgruppe bei der Auswertung des jeweiligen Qualitätsindikators positionieren.  

Um dieses Ziel zu erreichen, ist es einerseits unabdingbar, dass die Einrichtung ihre Rehabilitanden regelmäßig intern zur Zufriedenheit mit der Reha-Maßnahme und zur Beurteilung des Reha-Erfolges befragt. So können mögliche Schwachstellen frühzeitig erkannt und im Sinne des kontinuierlichen Verbesserungsprozesses behoben werden. Andererseits gilt es, das therapeutische Leistungsspektrum dahingehend zu optimieren, dass die Reha-Therapiestandards und KTL-Vorgaben der Deutschen Rentenversicherung erfüllt werden. In diesem Zusammenhang nimmt der Aufbau eines internen Medizincontrollings eine wichtige Rolle ein. Denn nur mit Hilfe geeigneter Kennzahlen können therapeutische Leistungen und Therapiestandards laufend und vor allem zeitnah überwacht werden.

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