Aufbau eines AltersTraumaZentrums DGU® – Aktiv den demographischen Wandel gestalten

„Demografischer Wandel: Pflegefall Deutschland“

„Alterspyramide - Demographischer Wandel überschattet alle Bereiche“

Wer ist beim Lesen der Zeitung oder beim Durchblättern von Zeitschriften noch nicht auf solche Schlagzeilen gestoßen? Trotz ihres oftmals reißerischen Charakters weisen sie auf einen Trend hin, der auch von wissenschaftlicher Seite bestätigt wird: Die Altersstruktur der Gesellschaft in Deutschland hat und wird sich grundlegend verändern, wobei die Anzahl älterer Menschen stetig wächst. Ein größerer Anteil älterer Menschen bedeutet dabei nicht nur eine Herausforderung für die Rentensysteme, er wird sich langfristig auch auf die Entwicklung des Gesundheitssystems auswirken. Während die Menschen auch im Alter immer aktiver und mobiler sind - und sein wollen -, bringt ein längeres Leben auch das Vorliegen mehrerer Krankheiten mit sich. Zudem können eine abnehmende Knochendichte sowie eine erhöhte Sturzgefahr im Alter ein höheres Frakturrisiko bedingen. Die Krankenhäuser müssen sich in ihren Notaufnahmen deshalb auch mit einer steigenden Anzahl älterer Patienten befassen.

Eine Möglichkeit diesem Trend entgegen zu sehen ist es, im Sinne einer „wait and see“ Strategie zu handeln - und erstmal wie bisher weiter zu machen. Alternativ dazu, kann diese Entwicklung auch als Chance zum Ausbau neuer Leistungsfelder genutzt werden. So gibt es spezialisierte Behandlungskonzepte, die auf die Bedürfnisse älterer Patienten ausgerichtet sind. Diese beinhalten ein altersgerechtes Vorgehen sowohl bereits bei der Diagnostik als auch im Therapieverlauf. Dadurch können die Prognosen der Patienten deutlich verbessert werden.

In der Unfallchirurgie wurde die Alterstraumatologie als ein solch wachsendes Leistungsfeld identifiziert. Besonders nach Unfällen haben ältere, geriatrische Patienten einen Betreuungsbedarf, der von dem Bedarf junger Menschen deutlich abweicht. Um die hierbei erforderlichen kombinierten Behandlungsprozesse auch nach außen abzubilden, können sich unfallchirurgische und geriatrische Kliniken seit März 2014 gemeinsam zum AltersTraumaZentrum DGU® zertifizieren lassen.

Für die Erreichung der Zertifizierungsreife ist es hilfreich, die Anforderungen des Verfahrens AltersTraumaZentrum DGU® zunächst in Arbeitspakete zusammenzufassen. Diese können dann im Verlauf sukzessive abgearbeitet werden. Mögliche Arbeitspakete orientieren sich an den Anforderungen des Katalogs:

Strukturanforderungen

Die Struktur der beiden Fachabteilungen des AltersTraumaZentrums und ihre Zusammenarbeit in einem Leitungsgremium sind abzubilden. Dafür sollten beispielsweise ein Organigramm und eine Geschäftsordnung erstellt werden. Auch die Zusammenarbeit mit weiteren Leistungsbereichen, wie bspw. der Notaufnahme, muss schriftlich in Prozessbeschreibungen abgebildet werden.

Anforderungen an die Fachabteilungen

Sowohl die Unfallchirurgie als auch die Geriatrie müssen als Fachabteilungen gewisse Anforderungen erfüllen. Diese beziehen sich einerseits auf die notwendigen Qualifikationsnachweise, andererseits müssen für eine begrenzte Anzahl an Behandlungsprozessen Prozessbeschreibungen bzw. SOP erstellt werden.

Anforderungen an die interdisziplinäre Kooperation

Damit geriatrische Patienten überhaupt in den Vorzug einer speziellen altersmedizinischen traumatologischen Versorgung kommen und einen tatsächlichen Zugewinn in der Behandlungsqualität erhalten, müssen sie zunächst als solche identifiziert werden. Dafür ist es notwendig, die geriatrischen Fälle in der Notaufnahme des Krankenhauses frühzeitig mithilfe geriatrischer Assessments zu erkennen. Im weiteren Therapieverlauf muss die interdisziplinäre Zusammenarbeit der beiden Fachabteilungen ebenfalls im Vordergrund stehen.

Besonders dem Komplikationsmanagement kommt eine entscheidende Rolle zu. Die Kompetenz des Zentrums, Risiken und Komplikationen frühestmöglich interdisziplinär wahrzunehmen, muss ebenfalls in speziellen SOP (z.B. Delir, Sturz, Dekubitus) abgebildet werden.

Das Zertifikat beinhaltet somit vor allem die tatsächliche Kooperation und Zusammenarbeit zwischen den Abteilungen, um eine Verbesserung der Behandlungsqualität zu erreichen.

Anforderungen an das Qualitäts- und Risikomanagement

 

Eine Zertifizierung beinhaltet die verpflichtende Teilnahme am AltersTraumaRegister DGU®. Dadurch wird es zukünftig u.a. ein Benchmark bezüglich verschiedener Kennzahlen zur Struktur‐, Prozess‐ und Ergebnisqualität gegeben. Daneben müssen für eine erfolgreiche Zertifizierung auch typische Qualitätsmanagement-Instrumente, wie z.B. das Angebot von Fort- und Weiterbildungen sowie eine jährliche Managementbewertung umgesetzt werden.

Sind diese Anforderungen erfüllt, können Krankenhäuser die Online-Checkliste ausfüllen und sich für eine Auditierung durch die Zertifizierungsgesellschaft anmelden.

Da bei der Zertifizierung nach AltersTraumaZentrum DGU® kein Grundzertifikat (z.B. ISO 9001, KTQ) notwendig ist und auch kein Selbstbewertungsbericht erstellt werden muss, bietet das Verfahren ein sehr gutes Aufwand-/Nutzen-Verhältnis. Krankenhäuser sollten daher die Chance nutzen, sich mit einer Zertifizierung zum AltersTraumaZentrum DGU® klar zum „fortschrittlichen Handeln“ zu bekennen.

Sie interessieren sich für eine Beratung zum Aufbau eines AltersTraumaZentrums? Dann nehmen Sie Kontakt mit uns auf.

Sie möchten mehr zum Thema Qualitätsmanagement im Krankenhaus lernen? Dann nutzen Sie unsere Kurse auf klinikcampus.de»

0 Kommentar(e)

Mein Kommentar

Bitte tragen Sie den Text aus dem Bild in das Textfeld ein. Erfahren Sie hier mehr über die Sicherheitsabfrage.

Bitte füllen Sie vor dem Absenden Ihres Kommentars mindestens die mit einem Stern (*) gekennzeichneten Felder aus. Alle anderen Angaben sind freiwillig.

Zurück

« Februar 2015»
Mo Di Mi Do Fr Sa So
            1
2 3 4 5 6 7 8
9 10 11 12 13 14 15
16 17 18 19 20 21 22
23 24 25 26 27 28  

RSS-Feeds

Beiträge:
      RSS 0.91 RSS 2.0
Kommentare:
      RSS 0.91 RSS 2.0