Arzneimitteltherapie-Sicherheit – eine bittere Pille?

Die Arzneimitteltherapie ist ein wesentlicher Bestandteil der Behandlung von Patienten in Krankenhäusern. Ziel der Therapie ist immer, dass ein Patient eine korrekte, verträgliche Medikamentenkombination in der richtigen Dosierung über den geeigneten Zugangsweg und zur richtigen Zeit erhält. Arzneimitteltherapiesicherheit basiert demnach auf einer optimalen Organisation des Medikationsprozesses, der alle Stufen der Arzneimitteltherapie beinhaltet.

Jedoch benötigt der Medikationsprozess die nahtlose Zusammenarbeit vieler Beteiligter, erfordert viele Ressourcen und kreuzt einige andere Prozesse im Klinikalltag. Deshalb ist die Arzneimittelversorgung einer der Hochrisiko-Prozesse innerhalb der gesamten Patientenversorgung. Die Analyse des kompletten Prozesses zeigt, wo die Hauptrisiken und mögliche Lösungsansätze in der Arzneimitteltherapie liegen.

Schon die Hauptprozesse geben einen Eindruck davon, wie vielschichtig das Thema ist und wie viele Fehlerquellen es geben kann. Unsere Studie „Die Fehlerkultur in deutschen Krankenhäusern“ macht zudem deutlich, dass die meisten Krankenhäuser bei Maßnahmen zur Gewährleistung der Arzneimitteltherapiesicherheit einen großen Nachholbedarf haben.Um den Arzneimittelprozess sicherer zu gestalten, sind zunächst Fehlerquellen durch Interviews, Befragungen, Audits oder die Auswertung von CIRS-Meldungen zu identifizieren. Auch die Checkliste „Arzneitherapiesicherheit im Krankenhaus“ des Aktionsbündnisses Patientensicherheit kann als Instrument für die Prozessanalyse dienen. Unsere Erfahrung zeigt, dass der Medikationsprozess in jeder Fachabteilung separat analysiert werden sollte.   

Im nächsten Schritt geht es dann um eine Lösungsfindung. Ein wesentliches Ziel jeder Prozessoptimierung im Krankenhaus – eben auch bei der Arzneimittelversorgung – muss es sein, mögliche Risiken, die sich am Ende der Prozesskette auf den Patienten auswirken können, so früh wie möglich „nach vorne zu verlagern“. Damit kommt der lückenlosen Ermittlung der bestehenden Bedarfsmedikation und deren Einschätzung in Bezug auf mögliche Unverträglichkeiten, Neben- und Wechselwirkungen bereits zum frühest möglichen Zeitpunkt bei der Anamnese eine große Rolle zu. Praktiker kennen hier die Sicherheitsrisiken: zunehmend multimorbide Patienten erinnern ihre umfangreiche Medikation nicht mehr genau („Ich nehme auch noch immer die blauen Pillen, Herr Doktor“), in der Regel noch unerfahrene Stationsärzte erheben die Medikation bzw. bewerten die Medikation, wie sie die Pflege erhoben hat, usw. Was hier nicht erkannt wird, birgt ein Risikopotenzial für die spätere Behandlung.

Eine Lösung für dieses Problem bietet die Knappschaft mit ihrer elektronischen Behandlungsinformation. Die Zustimmung des Patienten vorausgesetzt, erhält hier der Arzt „auf Knopfdruck“ eine Übersicht aller verordneten Medikamente der letzten 12-36 Monate. Die Daten werden vollständig auf Basis der Abrechnungsdaten der Apotheken geliefert.

An der Schnittstelle von Medikamentenanamnese und -anordnungen kann die direkte Einbindung eines Pharmakologen oder Apothekers in den Prozess sinnvoll sein. Dieser kann z. B. durch die Teilnahme an den Visiten wichtiges Know-how direkt in die Patientenversorgung einbringen. Auch die Implementierung eines elektronischen Tools zur Indikationsprüfung hilft den verordneten Ärzten, den Überblick zu behalten und so Fehler zu vermeiden.

Schließlich bieten Unit-Dose- und Blister-Systeme Ansatzpunkte zur Fehlervermeidung während des Medikamentenrichtens und der Medikamenteneinnahme. Die Beispiele zeigen, dass es bereits für jeden Schritt des Medikationsprozesses Lösungsansätze gibt. Aufgabe der Krankenhäuser ist es, diese Insellösungen zu einem schlüssigen Gesamtkonzept zusammenzufügen. Eine Optimierung lohnt sich, damit Ärzte und Pflegende ein hohes Maß an Sicherheit erlangen und der Patient am Ende keine bittere Pille schlucken muss.

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