Auf die Plätze, fertig, los!? – Psychiatrie-Studie 2013 deckt den Vorbereitungsstand der Kliniken auf das neue Entgeltsystem auf

In meinem letzten BLOG-Beitrag zum PEPP-Entgeltsystem habe ich auf unsere Psychiatrie-Studie 2013 in Kooperation mit der SRH Hochschule Berlin hingewiesen. Die Umfrage hat sich vordergründig an die Kaufmännischen Direktoren bzw. Geschäftsführer von Psychiatrien und von Krankenhäusern mit psychiatrischen Abteilungen gerichtet. Die Auswirkungen der Reform auf die interne Aufbau- und Ablauforganisation standen im Fokus der Studie. In den einschlägigen Fachzeitschriften und auf Kongressen wird viel über notwendige Maßnahmen oder über einen „PEPP-Masterplan“ zur Umstellung auf das Entgeltsystem berichtet. Vergleichsweise wenig erfährt man allerdings darüber, wie vorbereitet die Kliniken knapp ein Jahr vor der verbindlichen Anwendung der PEPP-Abrechnungsbestimmungen tatsächlich sind.

  • Welche Maßnahmen wurden schon in den Einrichtungen realisiert?
  • Wie hoch ist der mit der Einführung verbundene (finanzielle) Aufwand?
  • Welche Risiken und auch Chancen sehen die Geschäftsführer in Bezug auf das neue Entgeltsystem?

Diese und weitere spannende Fragen zum aktuellen Umsetzungsstand sind das Kernstück der Studie. Die Ergebnisse sollen den Lesern, insbesondere denen in psychiatrischen Einrichtungen, einen Benchmark liefern, um den eigenen Vorbereitungsstand mit dem der Mitbewerber vergleichen zu können.

Soweit zur Einführung: Der eigentliche Anlass dieses BLOG-Beitrags ist die Quintessenz der Psychiatrie-Studie 2013 vorzustellen und einen Vorgeschmack auf die gesamte Studie zu geben. Insgesamt haben sich an der deutschlandweiten Umfrage 50 Einrichtungen beteiligt.

Was sind die Kernergebnisse?

Ganz kurz zusammengefasst kann man sagen, dass die Mehrheit der Teilnehmer der Einführung des Entgeltsystems kritisch gegenübersteht. Sie befürchten eine Senkung der Behandlungsqualität und erwarten auch eine leichte negative Veränderung in Bezug auf die Wirtschaftlichkeit in der eigenen Einrichtung. Ein Teil der Befragten sieht allerdings auch die Chancen, z.B. teilen ca. 30 % der Befragten mit, dass sie die steigende Transparenz als einen positiven Effekt des PEPP-Systems empfinden. Die Transparenz bezieht sich dabei sowohl auf die Leistungen als auch auf die Kostenstrukturen.

Die TOP 5 der angegangenen Handlungsfelder

Fast alle Teilnehmer geben an, dass sie Maßnahmen zur Vorbereitung auf das neue Entgeltsystem in ihren Einrichtungen umgesetzt haben. Dabei sind Einrichtungen mit mehr als 300 Betten, Kalkulationshäuser sowie öffentliche Einrichtungen die Spitzenreiter.

Die TOP 5 der in den Einrichtungen bereits ergriffenen Schritte sind folgende:

  1. Aufbau bzw. Ausbau des Medizincontrollings (56,7 %)
  2. Verbesserung der Leistungserfassung und -dokumentation (40,0 %)
  3. Schulung der Mitarbeiter (40,0 %)
  4. Veränderung bzw. Standardisierung der Behandlungsabläufe (36,7 %)
  5. Einsatz von Kodierfachkräften (33,3 %)

Dies sind auch diejenigen Vorbereitungsmaßnahmen, die von Experten empfohlen werden. Es ist jedoch erstaunlich, dass lediglich etwas mehr als die Hälfte der Teilnehmer bis dato das Medizincontrolling auf- bzw. ausbauen und weniger als die Hälfte der Teilnehmer die Leistungserfassung und -dokumentation ins Auge gefasst haben. Die Befragten haben die wesentlichen Handlungsfelder, die bis zur Umstellung anzugehen sind, identifiziert. Der hohe zeitliche Aufwand für die Planung und Umsetzung dieser Maßnahmen, scheint dagegen nicht bewusst zu sein.

Wie hoch ist der finanzielle Aufwand?

Die Vorbereitungen für einen reibungslosen Umstieg verursachen Kosten. Vor allem im Bereich der Mitarbeiterressourcen wird von fast allen Befragten (94 %) ein hoher bis sehr hoher zusätzlicher Aufwand erwartet. Die Teilnehmer geben beispielsweise an, dass bisher durchschnittlich 66.000 € in den Bereich Personal investiert wurden. Dabei erwarten die Teilnehmer noch weitere 82.000 € an Vorbereitungskosten bis zur endgültigen Einführung. In dem Kosten-Ranking belegen die EDV-Kosten den zweiten Platz. Nach Schätzung der Teilnehmer aus den psychiatrischen Einrichtungen wird sich der bereits angefallene Kostenbetrag im EDV-Bereich bis zur Einführung mindestens verdreifachen.

Sind Sie bereits auf das neue Vergütungssystem umgestiegen?

Diese Frage wurde von allen Teilnehmern beantwortet. Generell ist ein freiwilliger Umstieg auf das neue Vergütungssystem 2013 und 2014 möglich. Eine vollständige Umstellung ist im Jahr 2015 obligatorisch. Fast zwei Drittel der Befragten melden zurück, dass ein Umstieg bereits in 2013 erfolgte (8%) bzw. freiwillig für 2014 geplant ist (52%). Das letzte Drittel wird dann erst verpflichtend ein Jahr später 2015 umsteigen.

Fazit

Ja, die meisten psychiatrischen Einrichtungen und psychiatrischen Abteilungen bereiten sich auf die Umstellung auf das neue Entgeltsystem vor. Die erforderlichen Aktivitäten wurden identifiziert und gut die Hälfte ist auch bereits dabei die wesentlichen Handlungsfelder zu beackern. Die Vorbereitungskosten sind durchschnittlich bereits im 5-stelligen Bereich und werden bis zur Einführung noch deutlich wachsen. Auf Basis unserer repräsentativen Studie werden nächstes Jahr über die Hälfte der Einrichtungen freiwillig auf das neue Vergütungssystem umgestiegen sein. Dann werden wir erfahren, ob die Vorbereitungen der Einrichtungen ausreichend waren. Es bleibt spannend!

0 Kommentar(e)

Mein Kommentar

Bitte tragen Sie den Text aus dem Bild in das Textfeld ein. Erfahren Sie hier mehr über die Sicherheitsabfrage.

Bitte füllen Sie vor dem Absenden Ihres Kommentars mindestens die mit einem Stern (*) gekennzeichneten Felder aus. Alle anderen Angaben sind freiwillig.

Zurück

« Dezember 2013»
Mo Di Mi Do Fr Sa So
            1
2 3 4 5 6 7 8
9 10 11 12 13 14 15
16 17 18 19 20 21 22
23 24 25 26 27 28 29
30 31          

RSS-Feeds

Beiträge:
      RSS 0.91 RSS 2.0
Kommentare:
      RSS 0.91 RSS 2.0