„Der frühe Vogel…“ - Die Bedeutung des pünktlichen Erstschnitts im OP

Der Zeitpunkt des Erstschnittes zu Beginn eines OP-Tages ist eine besondere Kennzahl und für ein strukturiertes OP-Management von großer Bedeutung. Das liegt daran, dass die Erstschnittzeit sowohl Aussagen über die OP-Prozesse als auch über die Wirtschaftlichkeit eines OP-Bereichs trifft. So hat die Nichteinhaltung der geplanten Erstschnittzeit nicht nur Verzögerungen im Ablauf des OP-Programmes zur Folge, sondern auch wirtschaftliche Konsequenzen, da die Produktivzeit im OP nicht optimal genutzt werden kann.

Die Gründe für einen verzögerten Erstschnitt sind vielfältig und werden durch die Infrastruktur, die internen Prozessabläufe, die Mitarbeiter sowie die Patienten selbst verursacht bzw. begünstigt. Im Folgenden sollen nur einige Beispiele genannt werden:

  • Stationsprozesse: Der Operateur erscheint aufgrund seiner Aufgaben auf Station und seiner Einbindung in die dortigen Prozesse (z. B. Untersuchungen und Visiten) zu spät im OP-Saal.
  • Frühbesprechungen: Der Anästhesist erscheint aufgrund von morgendlichen Frühbesprechungen nicht pünktlich zur Narkoseeinleitung, wodurch sich Einleitung und folglich auch OP-Beginn verzögern.
  • OP-Planung: Die ersten Programmpunkte sind Patienten, welche nicht bereits am Vortag stationär aufgenommen wurden. Somit sind Programm und pünktlicher Erstschnitt abhängig von einem pünktlichen Eintreffen der Patienten und der Einhaltung von präoperativen Anweisungen (z. B. Nüchternheit).
  • Patiententransport: Die Patienten werden nicht rechtzeitig in den OP-Bereich transportiert und eingeschleust, beispielsweise aufgrund kollidierender Stationsabläufe oder einem fehlenden Patiententransportdienst.
  • OP-Vorbereitung präoperativ: Die Patientendokumentation und -vorbereitung ist unvollständig (z. B. fehlende Aufklärung, fehlende Sicherheitsvorkehrungen wie Seitenmarkierungen und Sicherheitschecklisten).

Für das OP-Management stellt sich folglich die Frage, wie mit dem Erstschnitt als entscheidender Einflussfaktor zu verfahren ist. In einem ersten Schritt ist ein verbindlicher Zeitpunkt des Erstschnittes mit den schneidenden Fachabteilungen zu vereinbaren, welcher anschließend als bindend kommuniziert wird. Bei der Kalkulation sollten die durchschnittlichen Vorbereitungszeiten für OP- und Anästhesiepflege, sowie die Einleitungs-, Lagerungs- und Desinfektionszeit berücksichtigt werden. Geht man davon aus, dass die OP-Planung zu Beginn eines OP-Tagesprogrammes in der Regel nur elektive Eingriffe mit leichtem Anästhesieverfahren vorsieht, kann von einer Erstschnittzeit spätestens 45 Minuten nach Saalöffnung/ Dienstbeginn der Pflege ausgegangen werden.

Um eine reibungslose Umsetzung der definierten Erstschnittvorgaben zu gewährleisten, sind im nächsten Schritt die beschriebenen Verzögerungsfaktoren im OP und an den Schnittstellen zum OP genau zu analysieren, z. B. die Prozesse auf den Stationen der schneidenden Fachabteilungen, in der Anästhesieabteilung, der Ablauf der OP-Planung sowie das OP-Management selbst.

Mit den Stationen ist beispielsweise abzustimmen, dass der Operateur des ersten Programmpunktes nicht in den Visitenprozess auf Station eingebunden wird, sollten die Visitenzeiten mit den Saalöffnungszeiten des OP kollidieren. Grundsätzlich sollte bei der Reorganisation von OP-Prozessen auch die Synchronisation mit den Stationsprozessen berücksichtigt werden.

Hinsichtlich des Patiententransportes ist die Abstimmung zwischen OP-Bereich, Station und ggf. Transportdienst zu regeln. Hierbei sollte sichergestellt sein, dass die OP-Pflege/ Anästhesiepflege die ersten Programmpunkte unmittelbar nach Dienstbeginn abruft und zeitversetzt (z. B. im Abstand von 5 Minuten, beginnend mit dem ersten Programmpunkt, welcher die aufwendigste Einleitung bedarf) in den OP einbestellt, um Stau und Verzögerungen an der Schleuse zu vermeiden. Die Stationspflege hat wiederum sicherzustellen, dass die Patienten bei Abruf entsprechend vorbereitet sind. Der sofortige Transport in den OP wird entweder durch die Stationspflege, im Idealfall durch einen Patientenbegleitdienst, gewährleistet.

Gleichzeitig ist zu prüfen, ob morgendliche Besprechungen einer pünktliche Anwesenheit im OP im Wege stehen. Diese Besprechungen sind entweder um einige Minuten zu verkürzen oder zu verschieben. Gegebenenfalls reicht es bereits aus, die definierten Besprechungszeiten einzuhalten.

Schließlich spielt die OP-Planung eine entscheidende Rolle bei der Einhaltung definierter Erstschnittzeiten. Zentrale Voraussetzung ist eine verbindliche prospektive OP-Planung am Vortag und ein übergeordnet planungsverantwortlicher OP-Manager. Bereits seitens der planungsverantwortlichen Ärzte der Fachabteilungen ist zu beachten, dass standardisierte Eingriffe mit einfacher Narkoseeinleitung sowie bereits stationär aufgenommene elektive Patienten als erste Programmpunkte im OP-Tagesablauf terminiert werden. Darüber hinaus ist die Verbindlichkeit dieser Planung entscheidend. Spätestens um 15:00 Uhr sollte das Programm des Folgetags fixiert sein, so dass nur noch der OP-Manager befugt ist, die OP-Planung zu verändern. Mit solch einer verbindlichen OP-Planung werden verspätete Erstschnitte reduziert und der OP kann wirtschaftlicher betrieben werden.

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