Erfolg mit Transparenz

In diesem Blog soll es um das Thema Transparenz gehen. Und zwar darum, wie die Schaffung von Transparenz manchmal der lange gesuchte Hebel sein kann, um Veränderungen deutlich effektiver oder überhaupt erst in Gang zu setzen.

Zunächst will ich an einer Reihe von Projektbeispielen zeigen, was Transparenz bewirken kann:

Ein Krankenhaus in Norddeutschland war unzufrieden mit der Laufzeit seiner Arztbriefe. Diese lag durchschnittlich bei 28 Tagen. Bevor das eigentliche Projekt zur Verbesserung der Arztbrieflaufzeit einsetzte, führte das Krankenhaus eine neue Software ein, deren wesentliche Neuigkeit war, dass man nun genau verfolgen konnte, wo der Brief gerade lag: Beim Stationsarzt, beim Schreibdienst, beim Chefarzt, beim Sekretariat… Noch vor Einführung von Prozessverbesserungen reduzierte sich die Arztbrieflaufzeit alleine mit Hilfe der neu entstandenen Transparenz um 8 Tage!

Ein Universitätsklinikum wollte sich auf eine Qualitätsmanagement-Zertifizierung vorbereiten. Dabei stellte es sich die Frage, wie es gelingen könnte, die große Zahl an Ärztlichen Direktoren zur Mitarbeit zu bewegen. Die Lösung sah wie folgt aus: Man programmierte ein QM-Portal, dessen Titelseite eine Übersicht gab, wie viele Dokumente jede Abteilung bereits erarbeitet hatte. Zwar ist Quantität nicht zwingend mit Qualität gleichzusetzen, doch bewirkte dieser Trick wahre Wunder. Keine Abteilung wollte deutlich hinter den anderen zurückstehen, so dass sich alle Bereiche sehr engagierten.

Ein Krankenhaus in Süddeutschland versuchte die Produktivität im OP zu erhöhen. Dazu war der im OP aufgehängte Bildschirm eine gute Hilfe, weil dort die nächsten OPs angezeigt wurden. Nach einiger Zeit sorgte ein kleiner Kniff dafür, dass die Produktivität weiter merklich anstieg: Der Bildschirm wurde durch einen neuen mit größerer Bildschirmdiagonale ausgetauscht, so dass jetzt alle restlichen OPs des Tages zu sehen waren.

Ein Krankenhaus in Westdeutschland stand – wie vermutlich viele Krankenhäuser – vor dem Problem, dass es bestimmte Patienten gibt, die sowohl internistisch als auch chirurgisch behandelt werden können. Unter anderem führte das dazu, dass beide betroffenen Chefärzte unzufrieden mit der Verteilung der Patienten waren. Zahlreiche Gespräche der Klinikleitung mit den beiden Chefärzten, sich auf eine klare Zuordnung zu einigen, scheiterten. Schließlich wurde im Management-Informationssystem (MIS) für beide eine Ansicht freigeschaltet, aus der detailliert zu erkennen ist, Patienten mit welcher Diagnose jeweils in der anderen Abteilung behandelt werden. Seitdem hat sich die Situation deutlich verbessert.

Ein Krankenhaus in Ostdeutschland ist dazu übergegangen, den geplanten Entlasstermin jeweils auf dem Deckblatt der Patientenakte kenntlich zu machen. Diese Transparenz verbessert die Verweildauersteuerung.

In manchen Fällen führt das Aufstellen von Prozessregelungen nicht zum gewünschten Ziel. Denn Regeln beschreiben immer nur den Eingang (Input) in einen Prozess. Transparent gemachte Ergebnisse hingegen beschreiben dessen Resultat (Output). Und viele Menschen haben den Ehrgeiz, in ihren Resultaten nicht schlechter zu sein als andere oder andere vielleicht sogar zu übertreffen. Dieses Phänomen macht sich der Transparenz-Ansatz zunutze.

Haben Sie auch Beispiele, in denen Transparenz eine unglaubliche Wirkung entfacht hat? Ich bin gespannt auf Ihre Berichte.

Autor: Rüdiger Herbold
 – 22:06 Uhr

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