"Jede Art der Verschwendung ist eine Art von Nicht-Qualität"

Liebe Kunden,

Im Zusammenhang mit einem Training zum Thema Prozessmanagement sind mir in den letzten Tagen wertvolle Fragen in Erinnerung gekommen, die wir uns bei der Beschäftigung mit den Abläufen im Krankenhaus immer wieder stellen dürfen. Grundlage ist das Toyota Produktionssystem, das wiederum auf die Theorien von Taiichi Ohno und Shigeo Shingo zurückgeht.

Bei der Organisation von Prozessen im Krankenhaus wird häufig kritisiert, dass es sich lediglich um eine einfache Abbildung des Ist-Zustandes handelt – leider ist dies oft der Fall. Der eigentliche Nutzen des Prozessmanagements liegt in der Intention und dem Willen der Führungskräfte, die Prozesse straffer, besser und einfacher zu machen. Das Toyota Produktionssystem liefert hier wichtige Hinweise, die wir bei der Prozessgestaltung im Krankenhaus berücksichtigen: es handelt sich um die Eliminierung von Verschwendung (jap. Muda). Im Kern sollten bei der Prozessdarstellung und –gestaltung immer auch die sieben Arten der Verschwendung berücksichtigt werden, die ich im Folgenden vorstellen und auf das Krankenhaus übertragen möchte:

1. Überproduktion (Industrie: Es wird mehr produziert wird als geplant/erforderlich)

Beispiele im Krankenhaus:

  • Überplanung des OP-Programms von vornherein
  • zu hohe Schichtbesetzung bei bekannter niedriger Auslastung  in Abteilungen mit hohem elektiven Patientengut (z.B. Ferien, „Sommerloch“ )

2. überflüssige Bewegungen (Industrie: Lange Anfahrtswege von großen Maschinen führen zu unnötigen Bewegungen und damit ggf. zu Verzögerungen)

Beispiel im Krankenhaus:

  • Die unzureichende Ausstattung von OP-Sälen mit medizintechnischen (Groß-) Geräten führt zu überflüssigen Bewegungen der Geräte zwischen verschiedenen Sälen.

3. Wartezeiten (Industrie: Wartezeiten des Bedieners bei einem Arbeitsschritt der Maschine oder auf Grund von Reparaturen/ Störungen der Maschine)

Beispiele im Krankenhaus:

  • Aus Patientensicht: Wartezeiten vor diagnostischen Maßnahmen oder bei der administrativen Patientenaufnahme.
  • Aus Mitarbeitersicht: Wartezeiten des Stationsarztes auf die Akte, die gleichzeitig in der Funktionsdiagnostik benötigt wird.

4. Transporte (Industrie: Transporte bringen ein Werkstück nicht dem Endzustand näher, sondern verändern nur seine Position in der Fabrik)

Beispiele im Krankenhaus:

  • Patiententransporte, die vom Pflegepersonal durchgeführt werden, das somit nicht für originäre Pflegetätigkeiten auf der Station zur Verfügung steht.
  • Unnötige Patiententransporte können vermieden werden z.B. durch mobile Blutentnahme/Needle- oder EKG-Teams.

5. Überbearbeitung (Industrie: Es finden zu aufwendige oder überflüssige Arbeitsgänge statt)

Beispiele im Krankenhaus:

Es finden unnötige Doppeluntersuchungen statt auf Grund:

  • fehlender Dokumentation,
  • nicht vorhandener Voruntersuchungen,
  • fehlender verbindlicher Diagnostikalgorithmen
  • Unsicherheit beim Personal.

6. hohe Materialbestände  (Industrie: Hohe Lagerbestände verursachen Kapitalkosten und erfordern räumliche Kapazitäten)

Beispiel im Krankenhaus:

  • Überbestellung von medizinischem Verbrauchsmaterial auf den Stationen oder im OP-Bereich (nicht bedarfsgerecht).

7. Nacharbeit (Industrie: Nachbearbeitung führt wiederum zu Wartezeiten und höheren Kosten)

Beispiele im Krankenhaus:

  • Ein Patient kann morgens nicht entlassen werden, weil die Entlassungsdiagnostik zu spät angefordert und durchgeführt wurde.
  • OP-Termin muss verschoben werden, weil eine Aufklärung des Patienten nicht stattfand oder im OP nicht auffindbar war.
  • Umlagerung eines Patienten im OP, weil widersprüchliche Seitenangaben in OP-Plan und in Krankenakte zur Lagerung auf der falschen Seite führten.

Wir können die sieben Arten der Verschwendung also auch auf das Krankenhaus übertragen. Bei der Beschäftigung mit den Prozessen in Ihrem Krankenhaus lohnt es sich, genau diese Arten von Muda zu identifizieren und zu eliminieren, so lassen sich spürbar Verbesserungen für Patienten und Mitarbeiter erzielen, die obendrein auch noch die Effizienz erhöhen.

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